Tracy Wolff, Aftermyth. Penelope und die Prüfung der Götter, aus dem amerikanischen Englisch von Ivana Marinović, München (dtv) 2026, 448 Seiten, 20,00 €, ISBN: 978-3-423-76626-5 (Englische Originalausgabe: The Aftermyth, Book 1, 2026).
Die amerikanische Bestseller-Autorin Tracy Wolff ist ehemalige Englischprofessorin und hat sich nun vollkommen dem Schreiben gewidmet. Beworben wird ihre neue Reihe Aftermyth, die sich an eine jüngere Zielgruppe (ab 12 Jahren) richtet, vom dtv als „eine mitreißende Fantasy voller Herz, Humor und Abenteuer“.
Gemeinsam mit der 13-jährigen Penelope Weaver und ihrem Zwillingsbruder Paris starten wir auf dem Weg zu ihrem ersten Schultag und -jahr an der Anaximander-Akademie. Bei dieser handelt es sich um eine magische Schule, die ihren Schwerpunkt auf die griechische Mythologie setzt und – ganz ähnlich wie Hogwarts – einzelne Häuser (Halls) besitzt, denen die Schüler*innen zugewiesen werden. Verkörpert werden diese durch die Götter Zeus, Hades, Poseidon, Athena und Aphrodite mit ihren ganz eigenen Wohnheimen, Stundenplänen, Aufgaben und co.
Penelope hat ihren Werdegang schon längst geplant: Sie wird – wie ihre gesamte Familie – in der Athena Hall landen und freut sich schon wahnsinnig darauf, nicht mehr nur in ihren „Antike Mythen für jede Gelegenheit, die gekürzte Fassung“ zu stöbern, sondern in der privaten Bibliothek des Hauses ihr Wissen mit der Gesamtausgabe – wie es sich für eine strebsame Athena-Schülerin gehört – zu vergrößern und ihre individuellen zehn Aufgaben, die jede*r Schüler*in von seiner/ihrer persönlich zugeteilten Muse erhält, mit Bravour zu meistern.
Doch bereits noch auf dem Weg fällt Penelopes Planung wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Denn alleine zur Schule zu gelangen, stellt sich für den Teenie als Herkulesaufgabe heraus: Eine Schlammpfütze versaut ihr das so perfekt abgestimmte Outfit, zu Fuß muss sie den schweren Koffer einen ellenlangen Weg (vorbei an Schlangen, stinkenden Blumen, einem verkehrt herum fließenden Wasserfall und ohne die Hilfe eines sie ignorierenden, aber leider anziehenden Jungen, der ausgerechnet der einzige ist, dem sie begegnet) zurücklegen, nur um dann auch noch zu spät zu kommen. Als könnte der Tag nicht noch schlimmer werden, wird Penelope – nachdem sie die genaue Aufgabe für den Zuordnungsritus aufgrund ihrer Verspätung verpasst hat – tatsächlich der affektierten Aphrodite-Hall zugeordnet (und das obwohl es da ganz sicher noch eine andere Möglichkeit gegeben hätte)…
Da ihr Widerspruch eindrücklich abgewiesen wird, fügt sich Penelope erst einmal dem Schein nach in ihr Schicksal und beschreitet mit ihrer Zimmergenossin Fiffi ihre erste Zeit an der Anaximander. In Wahrheit plant sie natürlich, wie sie Athena beeindrucken kann, um doch noch in ihre Hall wechseln zu dürfen. Dafür bieten sich gleich mehrere Optionen: Die Mithilfe ihrer Muse, ein unschlagbares Geschenk an die Göttin oder aber der Sieg im Wettbewerb zwischen den Halls, um ihre Pfiffigkeit unter Beweis zu stellen. Wären da nicht die komischen Geschehnisse, in die Penelope irgendwie andauernd und als einzige verwickelt wird, die Distanz zu ihrem Bruder und der Spaß, den ihr ihr neues Leben ihr doch auch bringt ...
Während dem/der Lesenden schnell schwant, dass und vielleicht sogar was so alles an der Schule, mit Penelope oder in der Mythen-Rezeption nicht so stimmt, braucht die Ich-Erzählerin in typischer Manier einer jungen Heranwachsenden etwas länger, um das ein oder andere zu begreifen bzw. begreifen zu wollen.
Wolff erschafft eine moderne, humorvolle und mitreißende Geschichte, die Lust macht, weiterzulesen. Thematisiert werden hierbei wie von selbst die wichtigen Themen der Freundschaft, Vertrauen, Manipulation, Fake-News, Identitätsfindung, Abnabelung und Wertefindung. Dazu fügt Wolff die griechische Mythologie neu zusammen und lässt einige offene Enden für die nächsten Bände zur Klärung stehen, die für mich im ersten Band allerdings noch keinen ausreichenden Anlass zur Kritik darbieten und (hoffentlich) Teil des noch zu lösenden Rätsels darstellen.
Ein Pluspunkt ist für mich auch der lebendige und für die Altersklasse allzu passende Schreibstil, insbesondere die Kapitelüberschriften, die allesamt Wortspiele darstellen (z. B. „Das kommt mir alles altgriechisch vor“, „Ganz ohne Disco-ssion“ oder „Knapp daneben ist auch ein Mythos“), haben es mir angetan.
Anna Stöcker, Bergische Universität Wuppertal

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