Juni 2026

Verehrte Leserinnen und Leser,

wir haben in den letzten Monaten nicht nur den sehr ertragreichen Bundeskongress auf dem Campus Westend der Goethe-Universität zu Frankfurt erlebt, sondern auch neuerliche Angriffe auf den Bestand der Klassischen Sprachen – diesmal bei unseren Freunden in Österreich – zu verzeichnen gehabt und hierzu unternommene Aktionen und Reaktionen recht medienintensiv frei Haus geliefert bekommen. Durchaus erwähnenswert scheint in diesem Zusammenhang, dass im mitteleuropäischen Raum politische Akteure verschiedenster Couleur in der höheren Bildung tiefgründige Durchdringung eigener und fremder Kulturen vermittels der für Europas Humanisten daseinsbestimmenden Welt der Sprachen durch das Abrichten auf morgen schon vorgestrige magere Skills an der Benutzeroberfläche digitaler Paralleluniversen ersetzt wissen möchten, mithilfe derer die Gattung homo sapiens das stetige Befruchten, Bereichern und Weiterentwickeln von Denken und Sprache auf Schritt und Tritt aus eigener Inspiration zugunsten des Umwälzens eines Second-hand- Arsenals sprachsimulierender, ja sprachparodierender Algorithmen in mechanistisch werkelnden Apparaten sukzessive ab- und aufgeben soll. – Eine irre Vision. 

Wir wünschen Ihnen einen Frühling in vollendeter Originalsprachlichkeit.

Es gab Beiträge aus allen drei Bereichen, nicht wenig davon zum Unterricht:

  1. Die Klassischen Sprachen als Lerngegenstand
  2. Die Gegenwart von Antike, Mittelalter und Neuzeit
  3. Neues aus den benachbarten Altertumswissenschaften

Zum Themenbereich 1.

Österreichs Regierung gegen Latein

Bereits im letzten DAV-Newsletter hatten wir über eine Mitte November 2025 in der Tagespresse veröffentlichte Ankündigung berichtet (Kronen-Zeitung: Minister will tote Sprachen aus Lehrplan streichen). Konkretisierend wurde im Januar dieses Jahres vom österreichischen Bildungsminister Christoph Wiederkehr der Plan verkündet, Latein und alle zweiten Fremdsprachen in der Abiturstufe des gängigen allgemeinbildenden Gymnasialtyps zugunsten der Neueinrichtung des wolkigen Trendkomposits „Medien und Demokratie“ auf zwei Wochenstunden zu kürzen. Wer sich auskennt, weiß, dass eine Sprache unterhalb der Schwelle von mindestens drei Wochenstunden bestenfalls als AG-Liebhaberei zu betreiben, nicht aber als Fach mit soliden Fortschrittserwartungen zu unterrichten ist. Begleitet wurde der Vorstoß auch vom weidlich strapazierten Schlagwort der „Entrümpelung“. Der Autor dieser Zeilen kann sich nicht erinnern, jemals „Gerümpel“ unterrichtet zu haben. Kurz nach Bekanntwerden des Vorhabens lancierten etliche prominente Intellektuelle, allen voran Elfriede Jelinek, ein Schreiben samt Petition, welche buchstäblich über Nacht außerordentliche Resonanz erfuhr und letztlich über 40.000 Unterschriften erhielt.

Zunächst Meldungen zur Frühphase der Entwicklung:

DER STANDARD

Wiederkehr will weniger Latein, mehr KI und Informatik als eigenes Fach

Link: https://www.derstandard.at/story/3000000306411/wiederkehr-will-weniger-latein-mehr-ki-und-informatik-als-eigenes-fach


Aus einem Bildungsportal:

schule.at

Wer von den Lateinkürzungen betroffen ist

Link: https://www.schule.at/bildungsnews/detail/wer-von-den-lateinkuerzungen-betroffen-ist


Ein Artikel zur Petition:

Kronen Zeitung

Aufstand gegen Politik - „Keine tote Sprache“: Promis kämpfen für Latein

Link: https://www.krone.at/4034711


In diesem Kontext zwei Interviews mit den DAV-Humanismuspreisträgern 2022 und 2014, dem emeritierten Professor und ehemaligen Minister Karlheinz Töchterle und dem Schriftsteller Michael Köhlmeier:

Der Standard

QUO VADIS, LATINITAS? Ex-Minister und Altphilologe Töchterle: "Latein wird das Abendland nicht retten"

Link: https://www.derstandard.at/story/3000000307200/ex-minister-und-altphilologe-toechterle-latein-wird-das-abendland-nicht-retten


Vorarlberg/ORF.at

Köhlmeier spricht sich gegen Kürzung aus

Link: https://vorarlberg.orf.at/stories/3341244/


Im Eiltempo schlossen sich die gut vernetzten Fachkolleginnen und -kollegen aus Lehre, Fortbildung und Forschung kurz und ergriffen die Initiative im Zusammenhang mit Themen, Terminen und Tagesordnungen. Journalistik und allgemeine Öffentlichkeit wurden in enger Folge mit Positionierungen versorgt, mit der Politik wurde intensiv verhandelt. Der Obmann/Praeses der SODALITAS und Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Latein AHS (Allgemeinbildende Höhere Schule) sowie Mitglied der Lehrplankommission Peter Glatz war öffentlich präsent, so dass der geschlossene Rücktritt besagter Fachkommission ein breites Medienecho erzeugte.

Die Suche des Bildungsministers nach Ersatzpersonal in Österreich, Südtirol und Deutschland blieb bezeichnenderweise erfolglos.

Zum Frühstadium der Verhandlungen:

schule.at

Nach Kritik: Wiederkehr lädt zu Gesprächen über Lehrpläne

Link: https://www.schule.at/bildungsnews/detail/nach-kritik-wiederkehr-laedt-zu-gespraechen-ueber-lehrplaene


Stellvertretend für die deutsche Berichterstattung (Kurzmeldung):

Deutschlandfunk

Bildungsminister Wiederkehr bekräftigt Pläne für Schulreform – Informatik und KI statt Latein

Link: https://www.deutschlandfunk.de/bildungsminister-wiederkehr-bekraeftigt-plaene-fuer-schulreform-informatik-und-ki-statt-latein-106.html


Unter anderem der offensichtlich absurde Zeithorizont für den von Minister Wiederkehr beabsichtigten Lehrplan führte zum Rücktritt der Expertengruppe:

Kronen Zeitung

Experten traten zurück - Latein-Kürzungspläne: Widerstand gegen Wiederkehr

Link: https://www.krone.at/4060645


Klärungen zum Diskussionsfeld durch Peter Glatz. Dabei macht er auch deutlich, dass der Umgang mit KI und Demokratie Querschnittsaufgaben sind:

KURIER

Bildungsreform als Politshow: Latein ist Demokratiebildung pur

Link (mit Bezahlschranke): https://kurier.at/meinung/gastkommentare/bildungsreform-politshow-latein-demokratiebildung-ki-wiederkehr-lehrplangruppe/403138749


Im weiteren Gang der Verhandlungen nahm der Minister nach seiner Pleite mit der Lehrplankommission sowie unter dem Druck der Öffentlichkeit bis auf eine wenig bedeutsame Kann-Regelung alles zurück, konnte damit aber sein Gesicht wahren:

News.at

Spitzentöne: Latein hat auf allen Linien gewonnen

Link: https://www.news.at/menschen/lateinunterricht-wiederkehr


Das Regelwerk im Überblick:

ORF.at

Lehrplanreform: Stundentafeln können auch gleich bleiben

Link: https://orf.at/stories/3425623/


Worin besteht Bildung?

Eine abschließende Bilanzierung zur Debatte mit Rückbindung an den zunehmend in Entsorgung befindlichen Gesamthorizont liefert Herwig Gottwald:

Die Presse

Alles nur „Gerümpel“? Es geht um mehr als Latein

Link: https://www.diepresse.com/20758015/alles-nur-geruempel-es-geht-um-mehr-als-latein


Paradoxon auch im „Ländle“

Kretschmanns krudes Kulturverständnis ohne Sprachunterricht - Betrachtungen mit einem wichtigen Seitenblick auf die Archäologie an der Humboldt-Universität:

Tichys Einblick

Abschaffung klassischer Inhalte: Wie der woke Zeitgeist Latein durch Smartphones ersetzen will

Link: https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/wie-der-woke-zeitgeist-latein-durch-smartphones-ersetzen-will/


… Und in Niedersachsen geht es weiter

Die niedersächsische Landesregierung hält weiter fest an der Unterschreitung der KMK-Standards im Abitur, auch hier wiederum insbesondere bei Fremdsprachen:

NEWS4TEACHERS

Oberstufenreform: Ohne zweite Fremdsprache, ohne politische Bildung zum Abitur?

Link: https://www.news4teachers.de/2026/01/oberstufenreform-ohne-zweite-fremdsprache-und-ohne-politische-bildung-zum-abitur-widerstand-kocht-hoch/

Ebenfalls dazu:

NDR

Landtag streitet über Reform der Oberstufe an Gymnasien

Link: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/landtag-streitet-ueber-reform-der-oberstufe-an-gymnasien,oberstufenreform-100.html


Fernsehen

Auch in Nordrhein-Westfalen wurde das Thema aufgegriffen. Der Beitrag des WDR ist anregend gemacht, und das Programm widmet der Sache fast 14 Minuten. -

Ob der Redaktion da etwas aufgefallen ist: „Weil mein Deutsch ist deutlich besser geworden mit der Satzstellung…“ Und eine „Strohalm“ ist sicher etwas Bukolisches…

WDR

Wozu Latein lernen? Traditionelles Gymnasialfach unter Beschuss

Link: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-duesseldorf/wozu-latein-lernen-traditionelles-gymnasialfach-unter-beschuss--100.html


Die etwas andere Annäherung

In Südtirol gibt es einen Redewettbewerb für junge Leute in verschiedenen Sprachen. Es geht ums Überzeugen, selbstverständlich damit auch um den Gebrauch von Sprache. Man darf sie sich aber aussuchen. Florian Gutmann versuchte es beim letzten Mal auf Latein. Bei 1:15 ist er an der Reihe.

ORF

Sag’s multi

Link: https://on.orf.at/video/14311995/sags-multi-aus-suedtirol


Zum Themenbereich 2.

Für einen geschmeidigen Übergang noch etwas zu Latein im Vatikan

Es geht in diesem Nachtrag nebenbei auch um Aramäisch. Lesen Sie selbst.

Die Presse

Gott sprach gar nicht Latein

Link: https://www.diepresse.com/20345959/gott-sprach-gar-nicht-latein


Regimewechsel

„Fake“ gibt es nicht nur bei Nachrichten und Tratsch. Auch ganze Staatsformen und deren Titel segeln bekanntlich nur allzu oft unter falscher Flagge. Gerade Octavians res publica war, wie wir wissen, ein Musterbeispiel für Etikettenschwindel. Weitere Tricks traten hinzu. George Orwell zeigte in 1984 die Folgen der allumfassenden Sprachmanipulation. In einem kompakten Artikel widmet sich SPEKTRUM dem stets aktuellen und derzeit besonders beachteten Stoff der Manipulatorik.

SPEKTRUM.de

DER SPÄTERE AUGUSTUS - Wie Octavian die römische Republik demontierte

Link: https://www.spektrum.de/news/der-spaetere-augustus-wie-octavian-die-roemische-republik-demontierte/2308352


Reich ausgesponnen

Auf viel Erfundenes stützt sich auch die große Zahl der Alexanderromane, welche im Verlauf des Mittelalters verfasst wurden.

Die Presse

Mystische Erzählungen über Alexander den Großen

Link: https://www.diepresse.com/20509397/mystische-erzaehlungen-ueber-alexander-den-grossen


Zu „Pompejis letzter Sommer“ von Gabriel Zuchtriegel gab es in den letzten Monaten noch eine hörenswerte Sendung auf SWR Kultur.

SWRKultur

„Pompejis letzter Sommer“ von Archäologe Gabriel Zuchtriegel

Lust und Leid – Was Pompeji mit unserer Gegenwart zu tun hat

Link: https://www.swr.de/kultur/literatur/gabriel-zuchtriegel-pompejis-letzter-sommer-100.html


Das Leid mit dem Numerus von Graffiti

Einer schreibt – und andere folgen…

DW (Deutsche Welle)

Antike Graffiti zeigen Alltagsszenen aus Pompeji

Ähnlich auch folgender Beitrag:

ORF Wissen

Sex und Gladiatoren: Graffiti in Pompeji

Link: https://science.orf.at/stories/3234033/


Vitruv schrieb nicht nur, er baute auch

Die „Basilika des Vitruv“ in Fano (Italien) war in den letzten Monaten Thema in den Medien. Anlass ist eine aktuelle Grabungskampagne.

Tagesschau

Gebäudereste aus der Römerzeit - Wie Archäologen auf Vitruvs Basilika stießen

Link: https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/basilika-aus-roemerzeit-entdeckt-100.html


Buchhinweis

Verschiedene Wahrnehmungen durch die Zeiten:

Gold, Mara:
Antike Mythen ohne Männer,
Köln (Dumont) 2026.
240 Seiten, 70 farbige Abb.
ISBN: 978-3-7558-1200-5
Preis: € 25,00

Rezension vom 17.05.2026 im Tagesspiegelhttps://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/antike-mythologie-antike-mythen-neu-erzahlt--fokus-auf-frauen-und-aussenseiter-15604192.html


Lateinischer Monatsrückblick

Nuntii Latini

Link: https://www.bremenzwei.de/themen/latein-nachrichten-rueckblick-april-112.html


Zum Themenbereich 3.

Wer sortiert und liest all die vielen Papyri?

Eine unüberschaubare Menge alter griechischer Papyrusfragmente ruht immer noch unbearbeitet – teils sogar ungesichtet – auf Dachböden, in Kellern, in Magazinen verschiedener Universitäten und Forschungsinstitute und harrt ihrer inhaltlichen Entdeckung. In Österreich wird an einer Software gearbeitet, welche die zahlreichen Papyri entziffern hilft und auch auf Vorschläge zur Ergänzung lückenhafter Zeilen hin programmiert wird.

Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAW)

ÖAW entwickelt Altgriechisch-KI „Apollo“ mit Mistral/Reply

Link: https://www.oeaw.ac.at/news/oeaw-entwickelt-altgriechisch-ki-apollo-mit-mistral-1


Wie macht man verschwundene Tinte sichtbar?

Der sogenannte Codex Climaci Rescriptus, ein Palimpsest von Texten u.a. des Hipparchos von Nicaea bzw. des Arat von Soloi macht in der Wissenschaft schon seit Jahren von sich reden. Die untersten Schichten sowie jüngere Ergänzungen mit astronomischen Beschreibungen und Skizzen sind jetzt dank Röntgenstrahlen wieder lesbar und die verschiedenen Beschriftungsschichten in ihrem Alter klarer unterscheidbar geworden.

Der Standard

LEGENDÄRE SCHRIFTEN - Verlorene antike Sternkarten tauchen in Mittelalter-Codex wieder auf

Link: https://www.derstandard.de/story/3000000307221/verlorene-antike-sternkarten-tauchen-in-mittelalter-codex-wieder-auf


Die Römer in Germanien  

LDA Sachsen-Anhalt

Erste römische Marschlager in Sachsen-Anhalt entdeckt – Fundplätze zwischen Nordharz und Elbe belegen römische Vorstöße im 3. Jahrhundert nach Christus

Link: https://www.lda-lsa.de/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/presseinformationen/15126-sachsen-anhalt-marschlager


… und wieder Damasia

Wir berichteten bereits im letzten Newsletter: Strabons mysteriöser Ort wird in Bayern vermutet. Das BR-Fernsehen strahlte in seinem Kulturmagazin – gleichzeitig schmunzelnd und heiter-ernst – eine Sendung dazu aus. Strabon schrieb übrigens in Amasia…

BRCapriccio

Sagenumwobenes Damasia: Suche nach dem bayerischen Atlantis  

Link: https://www.youtube.com/watch?v=S7j4DZMsyak


Wie dionysisch war der Demeterkult?

Experten sinnieren und diskutieren über die Frage, ob bei Feiern für den Kult der Ceres-Demeter Rauschmittel wie etwa Mutterkorn eine Rolle spielten.

GEO

Antike Extase: Waren beim Demeter-Kult im Tempel von Eleusis Drogen im Spiel?

Link: https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/demeter-kult-im-antiken-griechenland--waren-drogen-im-spiel--37151028.html


Arzt unter den Opfern in Pompeji?

Finestre sull’Arte

Pompeji: Identifizierung eines möglichen Arztes unter den Opfern des Orto die Fuggiaschi?

Link: https://www.finestresullarte.info/de/archaologie/pompeji-identifizierung-eines-moglichen-arztes-unter-den-opfern-des-orto-dei-fuggiaschi


Larenaltar nördlich der Alpen in Köln

Etwas, was viele von uns als selbstverständlich kennen, ist in den nördlichen Provinzen bisher nicht in ausgegrabenen Häusern gefunden worden: Ein Hausaltar für die Laren. In Köln ist nun doch eine Opfernische für Hausgötter aufgetaucht.

DER SPIEGEL

Opfer für Schutzgötter: Fund in Köln aus der Römerzeit ist einzigartig für Nordeuropa  

Link: https://www.spiegel.de/wissenschaft/archaeologen-entdecken-in-koeln-einen-hausaltar-aus-roemerzeit-einzigartiger-fund-fuer-nordeuropa-a-43680a5b-e213-4185-9946-6a638d2c457b


Zusammenstellung und Kommentierung der Medienschau: 

Karl Boyé

Die Neufassung der Oberstufenverordnung  beansprucht uns als geschäftsführenden Vorstand seit der Veröffentlichung des Juni 2025 des MK-Entwurfs „Die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe: Schulfachliche Eckpunkte zur Neugestaltung“ mit hohem Zeitaufwand, u.a. haben wir Gespräche mit Staatssekretär Ertner (Oktober 2025), Ministerpräsident Olaf Lies (Januar 2026) und Ministerin Hamburg (März 2026) geführt. Die Arbeit der Lehrkräfteinitiative KEINESPRACHEWENIGER haben wir u.a. bei der Übergabe von rund 10000 Petitionsunterschriften an den Staatssekretär im März 2026 begleitet. In Reaktion darauf hat die Kultusministerin in ihren Briefen vor den Osterferien an Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft Schulgesetz und Oberstufenreformpläne wenig abgewogen gewissermaßen beworben. In Bezug auf die Oberstufenreform wird suggeriert, sie sei schon beschlossen. Das ist nicht so. Bisher liegt lediglich das Eckpunktepapier vor. Mit der Anhörfassung des Verordnungstextes ist tendenziell kurz vor den Sommerferien zu rechnen.

NDR-Bericht vom 5. März 2026: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/landtag-streitet-ueber-reform-der-oberstufe-an-gymnasien,oberstufenreform-100.html

Für den nächsten Durchgang unseres Wettbewerbs Griechisch/ Latein für die Jahrgänge 11 und 12 ist die Anmeldung nach den Sommerferien 2026 vorgesehen. Die Klausur soll am 30. Oktober 2026 liegen, die Bearbeitungszeit für die Hausarbeiten vom 14. Januar bis 18. Februar 2027, das Abschlusskolloquium vom 10. bis 12. Juni 2027.

Näheres auf https://rac.navonline.de

Landestag zum 75jährigen Jubiläum des NAV – Freitag, 25. September 2026, 10 bis 19 h – Ratsgymnasium in Osnabrück

Die Friedensstadt und das dortige Ratsgymnasium haben eine besondere Bindung zum Niedersächsischen Altphilologenverband: Hier wurde 1951 der NAV gegründet. Auch das fünfzigste Jubiläum 2001 wurde hier begangen. Der Landestag zum fünfundsiebzigsten Jubiläum wird am festlichen Vormittag einen bildungspolitischen Schwerpunkt haben: Referenten werden Marcel Humar, Humboldt-Universität Berlin, und Uwe Dietsche, Fridericianum Schwerin, sein. Am Nachmittag werden Arbeitskreise, u.a. zu Zentralabiturthemen, angeboten. Nähere Informationen auf unserer pagina domestica www.navonline.de.

Tag der alten Sprachen für Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 11 bis 13 – Universität Göttingen – Freitag, den 19. Juni 2026, 10.30 – 16.00 Uhr

Das Seminar für Klassische Philologie der Universität Göttingen veranstaltet den nunmehr fünften Tag der Alten Sprachen für interessierte Schülerinnen und Schüler. Es sind alle Interessierten in Lerngruppen oder einzeln willkommen (bitte eigenen Kaffeebecher für den Nachmittag mitbringen). Willkommen sind ganze Kurse, aber auch Schülerinnen und Schüler ohne begleitende Lehrkraft. Nähere Informationen auf unserer pagina domestica www.navonline.de, Anmeldungen bitte vorab an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Wer schon ins nächste Jahr vorausdenkt, kann sich den Termin für den nächsten

Tübinger Abiturworkshop Latein/Griechisch

freihalten:

  1. 6. März 2027, 9:00 h – 19.00 h

Weitere Informationen sukzessive unter:

https://www.humanismus-heute.uni-freiburg.de/events/abiworkshop2027.html 

Am 3. Juni 2026, 14:15 -16:00 h wird 

Frau Prof. Dr. Irene de Jong (Universität von Amsterdam) einen Online-Vortrag über ihren neu erschienenen narratologischen Kommentar zu Herodot halten (im Rahmen des Hauptseminars „Narratologie, Cognitive Classics und das Griechische Epos" an der Universität Freiburg). 

Die Teilnahme ist möglich unter:

https://uni-freiburg.zoom-x.de/j/4493111088?pwd=YBOeFMMkGjjajnsJhZWMNYJaAm1W9n.1

Bei den Koalitionsverhandlungen im Nachgang der Landtagswahl vom 8. März 2026 wurde beschlossen, dass das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport künftig von der CDU geleitet wird. Zum neuen Minister wurde am 13. Mai 2026 Andreas Jung ernannt. Der gebürtige Freiburger war von 2005 bis kurz nach seiner Ernennung zum Landesminister für den Wahlkreis Konstanz im Bundestag und gehörte, teilweise in leitender Funktion, mehreren Ausschüssen an, u.a. zur nachhaltigen Entwicklung sowie zu den Themen Umwelt, Klimaschutz, Energie und Reaktorsicherheit. Er setzt sich für ein föderales Europa und für die deutsch-französischen Beziehungen ein. 2021 ist er für seine Verdienste um die deutsch-französische Verständigung zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt worden. Seit 2022 ist er zudem einer der stellvertretenden Vorsitzenden des CDU-Bundesverbandes. Unterstützt wird er bei seinen ministeriellen Aufgaben von Staatssekretär Andreas Deuschle (CDU). Der DAV Baden-Württemberg gratuliert dem Minister und seinem Team zur Ernennung und freut sich als Ansprechpartner für Fragen des Latein- und Griechischunterrichts auf eine gute Zusammenarbeit.

Ottiliense (13. bis 17. Juli 2026) et Theulingense (16. bis 22. August 2026): Moderatris horum seminariorum, quae Dr. P. Caelestius Eichenseer decennio sexto saeculi vicesimi instituerat, erit D.rix Sigrides Albert (Arbeitsstelle für Neulatein an der Universität Saarbrücken).

www.uni-saarland.de/institut/klassische-philologie/societas-latina.html

www.scholalatina.it

der Societas Philologorum Polonorum in Wroclaw 13. bis 26. Juli 2026 (man kann auch für eine Woche teilnehmen) für verschiedene Niveaus: https://wratislavia.ptf.edu.pl/index.php/la/scholae-aestivae-mmxxvi/

1. bis 8. August 2026 als niedrigschwelliges Angebot auch für Anfänger (tirones) und alle Altersgruppen zwischen 12 und 85 Jahren: www.lateinwochen.de

Für einen Betrag von nur 180 £ kann man vom 27. Bis 31. Juli an einem der Kurse der Summer School in Homer teilnehmen:

https://www.ucl.ac.uk/arts-humanities/classics/study/outreach-and-summer-schools/summer-schools/summer-school-homer-2026

Die von unserem europäischen Dachverband Euroclassica gehostete Academia Homerica findet zum 21. Mal in Athen und Chios statt. Vom 10.–19. Juli 2026 können die Teilnehmer/innen Homer auf seiner Heimatinsel im Original lesen, Homer-Philologie betreiben oder Neugriechisch lernen. Anmeldungen sind noch bis zum 30. Mai möglich. Interessierte Nachzügler/innen schreiben bitte direkt an die Direktorin der Academia Homerica, Frau Dr. Giatrakou.

Unsere Partner-Organisation in Georgien lädt zur diesjährigen Euroclassica-Konferenz nach Tbilissi. Vom 19.–22. August 2026 soll es neben der obligatorischen Euroclassica-Delegiertenversammlung auch fachdidaktische Vorträge und spannende Exkursionen in die Antikenmuseen von Tbilissi und Vani, zur  Ausgrabungsstätte Dzalisi und zum Weltkulturerbe nach Mtsheka geben. Herzliche Einladung, Fachdidaktik und Altertumswissenschaften in der Kolchis kennenzulernen! Ein erneuter Diebstahl des Goldenen Vlieses ist nicht vorgesehen.

» Download Einladung Euroclassica 2026 Tbilissi

Insgesamt 552 Schüler/innen aus 24 deutschen Schulen haben in diesem Schuljahr am European Certificate of Classical Language (ECCL) teilgenommen. Von ihnen errangen 11 Teilnehmer/innen eine Gold-, 55 eine Silber- und 116 eine Bronze-Medaille. Herzliche Glückwünsche an die Erfolgreichen und ein großes Dankeschön an die Lehrkräfte im Hintergrund, die diesen Erfolg erst ermöglicht haben. Das ECCL wird von der Euroclassica, der europäischen Dachorganisation altsprachlicher Verbände, organisiert. Schüler/innen können sich in Latein oder Altgriechisch auf jeweils zwei Schwierigkeitsstufen beweisen.

Aus Deutschland haben – aufgeschlüsselt nach Bundesländern – teilgenommen:

Nordrhein-Westfalen: 6 Schulen (Städtisches Kaiser-Karls-Gymnasium Aachen, Heilig-Geist-Gymnasium Würselen, Städtisches Gymnasium Steinheim, Gymnasium St. Christophorus Werne, Lessing-Gymnasium Bochum-Langendreer, Neues Gymnasium Bochum)

Sachsen-Anhalt: 4 Schulen (Burgstadtgymnasium Querfurt, Geschwister-Scholl-Gymnasium Zeitz, Norbertusgymnasium Magdeburg, Hans-Dietrich-Genscher-Gymnasium Halle)

Brandenburg: 3 Schulen (Gymnasium „Alexander von Humboldt“ Eberswalde, Humboldt-Gymnasium Potsdam, Gymnasium auf den Seelower Höhen)

Niedersachsen: 3 Schulen (Domgymnasium Verden, Gymnasium Syke, Halepaghen-Schule Buxtehude)

Bayern: 2 Schulen (Spessart-Gymnasium Alzenau, Jack-Steinberger-Gymnasium Bad Kissingen)

Berlin: 2 Schulen (Askanisches Gymnasium Berlin, Europäisches Gymnasium „Bertha von Suttner“)

Mecklenburg-Vorpommern: 1 Schule (Große Stadtschule Geschwister-Scholl-Gymnasium Wismar)

Rheinland-Pfalz: 1 Schule (Gymnasium Traben-Trarbach)

Saarland: 1 Schule (Hochwald-Gymnasium Wadern)

Deutsche Auslandsschulen: 1 Schule (Deutsche Schule Stockholm)

Am 02./03. Oktober 2026 wird es auf dem zweijährlichen Landesfachtag Sachsen-Anhalt um „Aktives und aktivierendes Latein“ gehen. In der Lutherstadt Wittenberg werden wir unter Anleitung erfahrener Lehrpersonen (die sich allesamt im aktiven Schuldienst befinden) Latein sprechen, schreiben und spielen. Zu lernen gibt es auch, wie eine „latinistische“ Actionbound erstellt werden kann. Interessenten/innen aus anderen Bundesländern sind herzlich willkommen und wenden sich bitte an den DAV-Landesvorstand Sachsen-Anhalt.

Petra Schierl ist die neue Professorin für Latinistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der DAV-Landesverband Sachsen-Anhalt freut sich, mit Frau Schierl eine Latinistik-Hochschullehrerin in seinen Reihen zu wissen, die sich auch die Außenwirkung ihres Faches auf die Fahnen geschrieben hat und die an der Arbeit des DAV teilnehmen wird. Herzlichen Glückwunsch zur Berufung! Zuvor war Halle in die Schlagzeilen der altsprachlichen Community geraten, weil die Universität den Griechisch-Lehrstuhl – jenen von Melanchthon! – nicht wieder besetzen möchte.

Antike exempla et errores für uns heute – das Demokratie-Thema prägte den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes in Frankfurt Rund 500 Lehrkräfte der Fächer Latein und Griechisch aus allen Bundesländern haben beim DAV Bundeskongress zur Frage der Bedeutung von Latein- und Griechisch-Unterricht für die politische Bildung gearbeitet. Vom 7. bis 11. April 2026 ging es an der Frankfurter Goethe-Universität um den Leitgedanken „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et errores“. Die Hessische Landesregierung will gemäß Koalitionsvertrag „Schulen besonders fördern, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein und Griechisch – widmen“. Darauf wies Katja Sommer als DAV-Bundesvorsitzende hin und verwies auch auf das Konzept zur Begabtenförderung in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Fach Altgriechisch an Schwerpunktschulen besonders gefördert wird. Mit dem Humanismuspreis des DAV wurde die „berühmteste Althistorikerin der Welt“ (so die FAZ 2025), die britische Altertumswissenschaftlerin und Publizistin Mary Beard, geehrt. Mit drei Ad-Astra-Preisen des DAV wurden junge Lehrkräfte prämiert für besondere Unterrichtskonzepte der Einbeziehung von griechischer Musik, von modernen Graffiti und von KI. Die öffentliche Podiumsdiskussion zum Kongress-Thema zeigte, dass wir die antiken Denkkonzepte und Erfahrungen modellhaft zum Vergleich nutzen können, um in gegenwärtigen Krisen gute Entscheidungen treffen zu können. Die Antike als Reflexionsraum für politische und gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart war Thema in rund 75 Fachvorträgen und Arbeitskreisen des Kongresses. Der griechische Historiker Herodot beschreibt, wie Griechen und Perser u.a. bei der Schlacht von Marathon zu überlegten Entscheidungen kamen. Der Dichter Homer erzählt in seinem Epos über den Trojanischen Krieg von Zorn und humanem Mitgefühl, wenn er den Griechen Achilleus charakterisiert, und warnt mit sezierenden Schlachtbeschreibungen vor Krieg und dessen traumatisierenden Folgen. Neuere Forschungen in Archäologie und Alte Geschichte zeigen etwa am Beispiel der vielfachen Facetten weiblicher Partizipation in der Antike, wie sehr weit verbreitete heutige Vorstellungen revidiert werden müssen. Bei der Darstellung der römischen Kaiser in den Biographien des römischen Autors Sueton sehen wir, wie politisch auch scheinbar nur Privates gedeutet wird. Die epochalen Auswirkungen von generativen Schreibprogrammen, also „künstlicher Intelligenz“, auf unsere Gesellschaft prägten viele Diskussionen des DAV-Kongresses. Wird durch die KI der Status des Menschen als Mensch in Frage gestellt? Wie kann das Dilemma von Arbeitserleichterung versus Deskilling gelöst werden? Werden wir uns künstlichen Algorithmen ergeben oder unsere besonderen Merkmale als Menschen, selbstständiges Denken und Empathie, bewahren? Befinden wir uns in einer Krise des Humanen? Der Leitgedanke des Humanismus reagierte mit Erasmus von Rotterdam, Wilhelm von Humboldt und dem sogenannten dritten Humanismus während der Weimarer Republik (Werner Jaeger) auf gesellschaftliche Krisen. Mittels des Logos, dem griechischen Begriff für menschliche Vernunft und Sprache, ging es den Humanisten immer darum, das Denken als besondere Fähigkeit des Menschen möglichst umfassend auszubilden. Somit ergibt sich gemäß dem Satz des Schulpädagogen Klaus Zierer das Paradoxon: „Die Stärke der digitalen Welt steht auf den Schultern der analogen Welt.“ Latein und Griechisch profitieren in Wissenschaft und Unterricht, so in der Papyrologie, erheblich von KI. Den Gefahren von KI kann der in erster Linie analoge altsprachliche Unterricht wirkungsvoll begegnen. Somit dürften diese Schulfächer, die für Sprachbildung und selbstständig kritisches Denken stehen, in Zukunft für unsere Demokratie weiter an Wichtigkeit gewinnen.

Liebe Mitglieder des DAV, cari amici linguarum antiquarum,

wir blicken zurück auf einen überaus gut besuchten und anregungsreichen Bundeskongress, danken dem Ortskomitee um Prof. Hans Bernsdorff in Frankfurt für die umsichtige und umfassende Planung und Durchführung, den großartigen Referentinnen und Referenten für ihre anregenden Beiträge, unseren Sponsoren, den Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt, der Schleicher-Stiftung und dem Ernst-Klett-Verlag, für ihre großzügige Unterstützung und nicht zuletzt Ihnen/Euch für die guten Gespräche und die tolle Atmosphäre!

Nach dem Kongress ist bekanntlich vor dem Kongress: Merken Sie sich also schon den Termin unseres nächsten DAV-Kongresses vor, der vom 18. bis 22. April 2028 an der Universität Salzburg stattfinden wird!

Wie erschreckend die Latein-Kompetenzen im Vatikan nachgelassen haben und wie wenig KI da unterstützen kann, verdeutlicht folgende Meldung - und mahnt uns alle, am Bildungsziel menschlicher Mehrsprachigkeitskompetenz festzuhalten:

https://www.spiegel.de/panorama/papst-leo-experten-muessen-sich-lateinische-worte-fuer-lehrschreiben-magnifica-humanitas-ausdenken-a-b216842c-d8be-4e4d-8a87-feffc64b09d6

Damit wünschen wir Ihnen und Euch (weiterhin) erfreuliche Abitur-Resultate, die doch deutlich machen, wieviel gute Schülerinnen und Schüler trotz der ständigen Anforderungsabsenkungen sich an Kenntnissen bezüglich der antiken Sprachen, Literatur, Geschichte und Gesellschaft doch aneignen!

Mit dem Hinweis auf die unten aufgeführten Möglichkeiten zur otium-Gestaltung im Sommer wünschen wir wohlverdiente Erholung und senden herzliche Grüße

Ihr/Euer Bundesvorstand

Katja Sommer, Stefan Faller, Stefan Freund