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Am 02./03. Oktober 2026 wird es auf dem zweijährlichen Landesfachtag Sachsen-Anhalt um „Aktives und aktivierendes Latein“ gehen. In der Lutherstadt Wittenberg werden wir unter Anleitung erfahrener Lehrpersonen (die sich allesamt im aktiven Schuldienst befinden) Latein sprechen, schreiben und spielen. Zu lernen gibt es auch, wie eine „latinistische“ Actionbound erstellt werden kann. Interessenten/innen aus anderen Bundesländern sind herzlich willkommen und wenden sich bitte an den DAV-Landesvorstand Sachsen-Anhalt.

Petra Schierl ist die neue Professorin für Latinistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der DAV-Landesverband Sachsen-Anhalt freut sich, mit Frau Schierl eine Latinistik-Hochschullehrerin in seinen Reihen zu wissen, die sich auch die Außenwirkung ihres Faches auf die Fahnen geschrieben hat und die an der Arbeit des DAV teilnehmen wird. Herzlichen Glückwunsch zur Berufung! Zuvor war Halle in die Schlagzeilen der altsprachlichen Community geraten, weil die Universität den Griechisch-Lehrstuhl – jenen von Melanchthon! – nicht wieder besetzen möchte.

Antike exempla et errores für uns heute – das Demokratie-Thema prägte den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes in Frankfurt Rund 500 Lehrkräfte der Fächer Latein und Griechisch aus allen Bundesländern haben beim DAV Bundeskongress zur Frage der Bedeutung von Latein- und Griechisch-Unterricht für die politische Bildung gearbeitet. Vom 7. bis 11. April 2026 ging es an der Frankfurter Goethe-Universität um den Leitgedanken „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et errores“. Die Hessische Landesregierung will gemäß Koalitionsvertrag „Schulen besonders fördern, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein und Griechisch – widmen“. Darauf wies Katja Sommer als DAV-Bundesvorsitzende hin und verwies auch auf das Konzept zur Begabtenförderung in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Fach Altgriechisch an Schwerpunktschulen besonders gefördert wird. Mit dem Humanismuspreis des DAV wurde die „berühmteste Althistorikerin der Welt“ (so die FAZ 2025), die britische Altertumswissenschaftlerin und Publizistin Mary Beard, geehrt. Mit drei Ad-Astra-Preisen des DAV wurden junge Lehrkräfte prämiert für besondere Unterrichtskonzepte der Einbeziehung von griechischer Musik, von modernen Graffiti und von KI. Die öffentliche Podiumsdiskussion zum Kongress-Thema zeigte, dass wir die antiken Denkkonzepte und Erfahrungen modellhaft zum Vergleich nutzen können, um in gegenwärtigen Krisen gute Entscheidungen treffen zu können. Die Antike als Reflexionsraum für politische und gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart war Thema in rund 75 Fachvorträgen und Arbeitskreisen des Kongresses. Der griechische Historiker Herodot beschreibt, wie Griechen und Perser u.a. bei der Schlacht von Marathon zu überlegten Entscheidungen kamen. Der Dichter Homer erzählt in seinem Epos über den Trojanischen Krieg von Zorn und humanem Mitgefühl, wenn er den Griechen Achilleus charakterisiert, und warnt mit sezierenden Schlachtbeschreibungen vor Krieg und dessen traumatisierenden Folgen. Neuere Forschungen in Archäologie und Alte Geschichte zeigen etwa am Beispiel der vielfachen Facetten weiblicher Partizipation in der Antike, wie sehr weit verbreitete heutige Vorstellungen revidiert werden müssen. Bei der Darstellung der römischen Kaiser in den Biographien des römischen Autors Sueton sehen wir, wie politisch auch scheinbar nur Privates gedeutet wird. Die epochalen Auswirkungen von generativen Schreibprogrammen, also „künstlicher Intelligenz“, auf unsere Gesellschaft prägten viele Diskussionen des DAV-Kongresses. Wird durch die KI der Status des Menschen als Mensch in Frage gestellt? Wie kann das Dilemma von Arbeitserleichterung versus Deskilling gelöst werden? Werden wir uns künstlichen Algorithmen ergeben oder unsere besonderen Merkmale als Menschen, selbstständiges Denken und Empathie, bewahren? Befinden wir uns in einer Krise des Humanen? Der Leitgedanke des Humanismus reagierte mit Erasmus von Rotterdam, Wilhelm von Humboldt und dem sogenannten dritten Humanismus während der Weimarer Republik (Werner Jaeger) auf gesellschaftliche Krisen. Mittels des Logos, dem griechischen Begriff für menschliche Vernunft und Sprache, ging es den Humanisten immer darum, das Denken als besondere Fähigkeit des Menschen möglichst umfassend auszubilden. Somit ergibt sich gemäß dem Satz des Schulpädagogen Klaus Zierer das Paradoxon: „Die Stärke der digitalen Welt steht auf den Schultern der analogen Welt.“ Latein und Griechisch profitieren in Wissenschaft und Unterricht, so in der Papyrologie, erheblich von KI. Den Gefahren von KI kann der in erster Linie analoge altsprachliche Unterricht wirkungsvoll begegnen. Somit dürften diese Schulfächer, die für Sprachbildung und selbstständig kritisches Denken stehen, in Zukunft für unsere Demokratie weiter an Wichtigkeit gewinnen.

Liebe Mitglieder des DAV, cari amici linguarum antiquarum,

wir blicken zurück auf einen überaus gut besuchten und anregungsreichen Bundeskongress, danken dem Ortskomitee um Prof. Hans Bernsdorff in Frankfurt für die umsichtige und umfassende Planung und Durchführung, den großartigen Referentinnen und Referenten für ihre anregenden Beiträge, unseren Sponsoren, den Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt, der Schleicher-Stiftung und dem Ernst-Klett-Verlag, für ihre großzügige Unterstützung und nicht zuletzt Ihnen/Euch für die guten Gespräche und die tolle Atmosphäre!

Nach dem Kongress ist bekanntlich vor dem Kongress: Merken Sie sich also schon den Termin unseres nächsten DAV-Kongresses vor, der vom 18. bis 22. April 2028 an der Universität Salzburg stattfinden wird!

Wie erschreckend die Latein-Kompetenzen im Vatikan nachgelassen haben und wie wenig KI da unterstützen kann, verdeutlicht folgende Meldung - und mahnt uns alle, am Bildungsziel menschlicher Mehrsprachigkeitskompetenz festzuhalten:

https://www.spiegel.de/panorama/papst-leo-experten-muessen-sich-lateinische-worte-fuer-lehrschreiben-magnifica-humanitas-ausdenken-a-b216842c-d8be-4e4d-8a87-feffc64b09d6

Damit wünschen wir Ihnen und Euch (weiterhin) erfreuliche Abitur-Resultate, die doch deutlich machen, wieviel gute Schülerinnen und Schüler trotz der ständigen Anforderungsabsenkungen sich an Kenntnissen bezüglich der antiken Sprachen, Literatur, Geschichte und Gesellschaft doch aneignen!

Mit dem Hinweis auf die unten aufgeführten Möglichkeiten zur otium-Gestaltung im Sommer wünschen wir wohlverdiente Erholung und senden herzliche Grüße

Ihr/Euer Bundesvorstand

Katja Sommer, Stefan Faller, Stefan Freund

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