Jasmine Mas, Bonds of Hercules. Liebe das Monster in mir. Düsterer Roman. Villains of Lore, Band 2. Übersetzt von Kira Wolf-Marz, Frankfurt am Main (FISCHER Tor Verlag) 2025, 608 Seiten, 25,00 € (Englische Originalausgabe: Bonds of Hercules, London 2025).
Das Buch wurde – wie bereits der erste Band – auf Englisch gelesen. Somit kann über die Übersetzungsqualität dieser Ausgabe weiterhin keine Aussage getroffen werden.
Wer die Rezension zum ersten Band gelesen hat, mag sich eventuell fragen, warum der zweite nach der ausgesprochenen Warnung für Philolog*innen als Lektüre überhaupt in Frage kam: Da sich die Reihe einer gewissen Beliebtheit erfreut, ja sogar gut bewertet wird und die Welt der antiken Götter, die Mas erschafft, durchaus interessant ist, hatte ich mich der naiven Hoffnung auf Besserung des Lateinischen hingegeben.
Es sei also gleich vorweg gesagt: Wer falsche lateinische Sätze nicht ertragen kann, halte sich weiterhin von diesen Büchern fern (vgl. bspw. „Nequit homo se reformat absque cruciatu!“), auch wenn sie in niedrigerer Frequenz auftreten. Wer sich aber vielleicht mit dem richtig zitierten Verg. Aen. 7,312 oder Sentenzen wie „acta non verba“ beschwichtigen lassen kann, mit Social-Media-Trends wie dem Anglerfisch vertraut ist und die folgenden tropes schätzt, kann der Geschichte sicherlich etwas abgewinnen: morally grey love interest, villain gets the girl, forbidden love, why choose, who did this to you, training sequence, animal companion.
Damit also zum Inhalt: In Band 1 hat die Protagonistin Alexis Hert (bzw. Hercules) herausgefunden, dass sie Tochter des Hades und der Persephone ist. Die beiden gehören (mit Ares, Aphrodite und Artemis) zu den chtonischen Göttern, die den olympischen durch ihre böseren Fähigkeiten gegenüberstehen und lediglich durch einen Bund in Frieden mit ihnen verweilen, um sich dem gemeinsamen Gegner der Titanen und der überhaupt dystopischen Welt zu stellen. Um in die Riege der Götter aufgenommen zu werden, musste Alexis sich ein Jahr lang an der spartanischen Kriegsakademie in den Dolomiten behaupten, was sie insbesondere durch die Mithilfe ihrer (unsichtbaren) Schlange Nyx, ihres dazu kommenden tierischen Begleiters Fluffy Junior und ihrer Betreuer Patro und Achilles geschafft hat. Zum Ende des Bandes hin ist Alexis zudem – eher unfreiwillig – in den heiligen Bund der Ehe mit den chtonischen Göttern Kharon und Augustus eingetreten.
Der zweite Band setzt direkt nach dem ersten an und behandelt auf emotionaler Ebene die „Verhandlung“ der Ehe, denn auch ihre ehemaligen Betreuer scheinen Interesse an Alexis zu hegen, die sich dementsprechend entscheiden muss, mit wem sie ihr Leben verbringen möchte. Alexis Alltag beinhaltet zudem die typischen Titanen-Einsätze, zu denen die chtonischen Götter durch das Bündnis mit den olympischen Göttern geschickt werden. Alexis tritt hierbei als starke Frau auf und erhält den Beinamen „angelus Romae“. Außerdem muss sie bereits kurze Zeit nach ihrem ersten Auftrag an den (jährlichen) Spartanischen Gladiatorenwettkämpfen teilnehmen, die die chtonischen Götter um des Friedens willen auf sich nehmen (müssen). Bei diesen Spielen erwürfelt jede*r Teilnehmer*in die Menge an Runden und Aufgaben, die durchgestanden werden müssen. Hierzu gehören u. a. Kämpfe gegen variierende Zahlen an Zyklopen, Gorgonen oder Ähnliches. Wer nicht siegt, wird gebrandmarkt. Insgesamt fallen sie äußerst brutal aus – was neben der Erfüllung des Genre an der Tatsache liegt, dass Medusa aus der Gefangenschaft befreit wurde, was Zeus und die anderen Olympier den chtonischen Göttern anlasten. Deswegen findet nach jeder Runde eine rabiate Befragung statt, um den Schuldigen zu finden…
Wer hat Medusa warum befreit? Wie kann Alexis die Gladiatorenwettkämpfe überleben? Für wen wird sie sich entscheiden? Warum geht es ihrem Begleiter Fluffy Junior durchgehend so schlecht? Diese und einige weitere Fragen werden in Band 2 aufgeworfen und beantwortet.
Anna Stöcker, Bergische Universität Wuppertal

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