Deutscher Altphilologenverband

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Deutscher Altphilologenverband

Presse: Werner-Jaeger-Preis 2017

werner jaeger preis 2017

–  Außerordentliches Engagement für Altertumswissenschaften –

Aus "Nettetal aktuell": Lobberich (sp). Zum zweiten Mal bekamen Wissenschaftler für ihre Verdienste im Bereich Altertumswissenschaften den Werner-Jaeger-Preis verliehen. Denn sie hatten sich in herausragender Weise für den Erhalt des geistigen Kulturerbes des Philologen engagiert.

Das Orchester des gleichnamigen Gymnasiums eröffnete die Veranstaltung in der Werner-Jaeger-Halle. Gemeinsam mit dem Deutschen Altphilologenverband (DAV) sowie der Gesellschaft für antike Philosophie (GANPH) überreichte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Lobberich den Preis. Erstmals erhielten auch vier Schüler eine Auszeichnung. „Damit soll an Werner Jaegers Bemühen erinnert werden, gerade auch junge Menschen an die Beschäftigung mit den Geisteswissenschaften heranzuführen“, fasste Christian Weisbrich (VVV Lobberich) zusammen.

Auch Bürgermeister Christian Wagner lobte den Einsatz der erfahrenen Wissenschafter sowie den des Nachwuchses. Ebenso sprach der parlamentarische Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur des Landes NRW, Klaus Kaiser MdL, seine Anerkennung aus.

Hartmut Loos, Vorsitzender des Altphilologenverbandes (Speyer), hielt eine Laudatio zur „Preisverleihung für erfahrene Wissenschaftler“ an Professor Hellmut Flashar (Bochum). Professor Friedemann Buddensiek, Vorsitzender der Gesellschaft für Antike Philosophie (Frankfurt), hielt eine Laudatio für Nachwuchsforscher an Dr. Wei Cheng (Peking).

Lesen Sie den vollständigen Presseartikel hier: 

http://nettetalaktuell.de/2017/10/09/werner-jaeger-preis-2017/

und hier: 

http://www.wz.de/lokales/kreis-viersen/stadt-nettetal-vergibt-werner-jaeger-preis-1.2532767

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Bundeskongress 2018

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Der nächste Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes findet vom 03. bis 07. April 2018 an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken statt.

Seit kurzem steht die Humanismuspreisträgerin fest: Am 04.04.2018 wird Rita Süssmuth den Preis in Empfang nehmen.

Das Motto des Kongresses lautet: „Polis Europa – Latein und Griechisch verbinden.“

Weitere Informationen folgen demnächst an dieser Stelle!

Griechisch in der Zeitschrift "Der Altsprachliche Unterricht"

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Dr. Benedikt Simons hat eine Übersicht erstellt über alle Artikel des Altsprachlichen Unterrichts, die das Griechische betreffen. Durch eine übersichtliche Gliederung ist ein gezielter Zugriff möglich.

Folgende Rubriken finden Sie hier:

  • Didaktisches
  • Dichtung
  • Tragödie
  • Komödie
  • Historiographie
  • Philosophie
  • Rhetorik/Reden
  • Kaiserzeitliches
  • Neues Testament
  • Archäologisches
  • Epigraphisches/Numismatisches
  • Rezeption
  • Neugriechisch
  • Diverses

Weiterlesen: Griechisch in der Zeitschrift "Der Altsprachliche Unterricht"

Vielfalt bei der Arbeit mit Sprache!

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Kommunikationssprachen dienen der Verständigung, Reflexionssprachen dienen dem Verständnis. Sprachverständnis ist eine Voraussetzung für Gedankenverständnis. Kenntnisse in Fremdsprachen ermöglichen kulturellen Austausch. Die landläufige Auffassung vom Zweck des Erlernens und Beherrschens von Fremdsprachen berücksichtigt bis hinauf in die EU- und OECD-Behörden vorrangig einen Aspekt: Sie geht im Wesentlichen von Alltagskommunikation und der Informationsvermittlung in Gebrauchstexten aus, in noblen Fällen von Literaturfähigkeit. Der Umgang mit Reflexionssprachen zielt hingegen auf ein differenziertes allgemeinsprachliches, muttersprachliches sowie textinhaltliches Verstehen ab.

Der Deutsche Altphilologenverband bietet in der Diskussion um Sinn und Zweck bestimmter Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere des Latinums, zur Orientierung für Interessierte eine Handreichung mit Informationen über Ziele, Vorgänge und Erträge der Beschäftigung mit Reflexionssprachen, wobei der Schwerpunkt auf dem Lateinischen liegt. Damit will er Anstöße geben, die den Gedankenaustausch und die Debatten zum Thema Sprachkompetenz und Fremdsprachenkenntnisse bereichern können.

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Humanismus-Preis 2016 für Andrea Riccardi

Andrea Riccardi 2009Der Deutsche Altphilologenverband (DAV) ehrt den Gründer der Hilfsorganisation Sant' Egidio, die viele Flüchtlinge betreut.

Im Februar feierte die in Rom gegründete und inzwischen weltweit tätige Organisation ihr 48-jähriges Bestehen. Aus einer persönlichen zivilgesellschftlichen Initiative zur Unterstützung besonders Bedürftiger wurde im Laufe der Zeit ein soziales Netzwerk im unverfälschten Wortsinn. Der DAV würdigt Herrn Riccardis Einsatz für die Humanitas. Die Laudatio hält Walter Kardinal Kasper.

Berlin/Rom (DAV): Professor Andrea Riccardi, der am 4. Februar 1968 die Communità di Sant' Egidio in Rom gründete, wo sie noch heute ihren Hauptsitz hat, wird im Rahmen des diesjährigen Altphilologenkongresses in Berlin am Mittwoch, den 30. März mit dem Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbandes (DAV) ausgezeichnet werden.

(Bildnachweis: א (Aleph), http://commons.wikimedia.org)

Weiterlesen: Humanismus-Preis 2016 für Andrea Riccardi

Lesetipp: Auch Cicero war politischer Flüchtling

harris dictatorDer britische Journalist und Romancier Robert Harris hat den lang erwarteten Abschlussteil der Romantrilogie über das Leben des berühmten antiken Anwalts, Politikers und Schriftstellers Marcus Tullius Cicero aus der Sicht seines Sekretärs Tiro fertiggestellt. Für eine breite Leserschaft wie auch für Schüler der Klassischen Sprachen wird eine der prägendsten und dramatischsten Gelenkepochen der europäischen Geschichte lebendig.

München/Bamberg//Pforzheim(DAV): Unter den Schriftstellern, welche Phasen der griechisch-römischen Antike romanhaft nachzeichnen, gebührt Robert Harris nach Ansicht des Deutschen Altphilologenverbandes (DAV) besondere Anerkennung. Er hat Ausschnitte von besonders hoher Ereignisdichte wie den Untergang Pompejis 79 n. Chr. oder wie im vorliegenden Fall die Lebensgeschichte Ciceros nicht nur nacherzählt: Robert Harris war daran gelegen, mithilfe akribischster Recherche ein Höchstmaß an Authentizität zu erreichen. Dies hat dazu beigetragen, dass die Arbeit an dem dreibändigen Roman nach eigener Auskunft des Autors zwölf Jahre gedauert hat. Der erste Band („Imperium“) erschien in der deutschen Übersetzung 2006, der zweite (dt. „Titan“) 2009. Der offizielle Verkaufsbeginn für die deutsche Version des dritten Bandes („Dictator“) ist der 12. Oktober 2015.

Der Abschlussband schildert die Zeit beginnend mit Ciceros Verbannung im Jahre 58 v. Chr. und der Rückkehr fünfzehn Monate später über die Jahre des Machtkartells zwischen Caesar, Pompeius und Crassus, welches sich zur Rivalität zwischen Caesar und Pompeius wandelte, bis zu Caesars völliger Ausschaltung der Gewaltenteilung, was dem Band seinen Namen verlieh. Die letzten Kapitel bilden die Ereignisse um die Ermordung Caesars und – ungefähr eindreiviertel Jahre später – diejenige Ciceros gegen Ende des Jahres 43 v. Chr.

Der Deutsche Altphilologenverband begrüßt ausdrücklich, dass durch das Verfassen und Veröffentlichen der Romantrilogie zur Person Ciceros und zur Endphase der späten römischen Republik für die Allgemeinheit wie für Schülerinnen und Schüler der Fächer Latein, Griechisch und Geschichte ein enger emotionaler Zugang geschaffen wird. Da das Leben Ciceros wie kein zweites aus der Antike unter anderem aufgrund seiner Reden, theoretischen Schriften und vor allem seiner Briefe engmaschig rekonstruierbar ist, wirkt die fesselnde Erzählung vor dem geistigen Auge wie eine Live-Aufnahme. Auf diesem Wege wird die Einzigartigkeit und Bedeutsamkeit der Jahre, in welchen die römische Republik zu einem failing state wird und Ciceros Eintreten für die politische Freiheit scheitert, besonders greifbar.

Im britischen Feuilleton nimmt die Thematisierung des Erscheinens der Originalfassung seit Wochen einen breiten Raum ein. In Leit- und Massenmedien erscheinen Besprechungen und Interviews mit Robert Harris. Ein Artikel verweist darauf, dass in der Entdeckung einer Sammlung von Briefen Ciceros an seinen Freund Atticus durch Petrarca 1345 einer der Impulse für das Aufkommen der Renaissance lag. Der Autor Robert Harris trägt dazu bei, die Bedeutung Ciceros für die Kulturgeschichte Europas in unserem Gedächtnis wachzuhalten.

Karl Boyé (DAV-Pressesprecher)

 

Ausschreibung in Wuppertal: Juniorprofessur für Didaktik des Lateinischen

wuppertal-klassphil

Die Bergische Universität Wuppertal schreibt zum 01.04.2016 im Fachbereich A – Geistes- und Kulturwissenschaften

eine Juniorprofessur für Didaktik des Lateinischen

aus. Die Professur ist im Fachgebiet Klassische Philologie angesiedelt, das zwei Professuren für Latein und eine Juniorprofessur für Griechisch umfasst. Der Arbeitsschwerpunkt liegt in der Ausbildung für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen. Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.uni-wuppertal.de/universitaet/universitaetsverwaltung/dezernat-4/stellenangebote/ansicht/job/juniorprofessur-fuer-didaktik-des-lateinischen-p15013.html

Studienfahrt nach Sizilien im Oktober 2015

„Selinunte - Tempio E“ von Guido Radig - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Selinunte_-_Tempio_E.JPG#/media/File:Selinunte_-_Tempio_E.JPGSizilien ist eine Reise wert – vor allem aus Sicht des klassischen Philologen und Althistorikers! Klingende Namen wie Agrigent mit den vielleicht eindrucksvollsten archäologischen Ausgrabungen auf Sizilien, - Syrakus, die kulturelle Heimstadt namhafter Dichter und Denker wie Simonides von Keos, Pindar und Aischylos, oder die griechische Gründungskolonie Selinunt mit weitläufiger Akropolis und imposanten Tempelanlagen in strategisch günstiger Lage direkt am Mittelmeer.

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Sizilien – Bericht über eine kulturhistorische Reise

Agrigent. Foto: Berthold Werner 2012 (Lizensiert unter GPL 1.2)In der Ausgabe 04/2014 des Forum Classicum sind wir auf das Angebot einer Bildungsreise nach Sizilien aufmerksam gemacht geworden. Ein Reisebericht von Grit Diaz de Arce (Berlin) und Marcus Neumann (Kassel):

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  1. Humanismuspreisträger Władysław Bartoszewski verstorben
  2. Latein und Latinum
  3. Richard von Weizsäcker verstorben
  4. WDR5 Tagesgespräch: Tote Sprache!: Was bringt der Lateinunterricht?

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Neuerscheinung des Monats

Kussl, R. (2026), Hellas im Hofgarten. Richard Seewalds Griechenlandzyklus in München. 92 S. Verlag: Schnell & Steiner Regensburg. 12,00 EUR (ISBN 978-3-7954-9078-2).

Gäste, die in München auf den Spuren der klassischen Antike sind, besuchen in der Regel die Staatliche Antikensammlung am Königsplatz oder die Glyptothek ebendort, möglicherweise auch die Alte Pinakothek, in der viele Gemälde zu sehen sind, die die Rezeption antiker Motive beinhalten, aber die Griechenlandbilder in den Hofgartenarkaden kennen nur wenige, selbst für Einheimische stellen sie meist ein Desiderat dar. Rolf Kussl, promovierter klassischer Philologie, Lehrkraft für Latein und Griechisch und viele Jahre als Ministerialrat im Bayerischen Kultusministerium für die Sprachlichen und Humanistischen Gymnasien sowie die klassischen Sprachen verantwortlich, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wandbilder griechischer Landschaften, die der Maler und Schriftsteller Richard Seewald geschaffen und mit klassischen Zitaten von Homer bis Goethe versehen hat, einem interessierten Publikum zu erschließen. Wie aktuell das Thema ist zeigt ein Artikel in der Münchner Abendzeitung vom 14. Januar 2026, verfasst von Adrian Prechtel; der Titel lautet: Kennen Sie den Münchner Hofgarten? Aber vielleicht (noch) nicht den „Griechenlandzyklus“ dort. Fast unbekannt, doch bedeutend und mit Bedeutung: Die Bilder von Richard Seewald in den Hofgartenarkaden. Der Autor konstatiert, dass die meisten Besucherinnen und Besucher wohl achtlos an den Kunstwerken vorbeigehen. Adrian Prechtel formuliert: Dabei handelt es sich um etwas ganz Besonderes mit einer besonderen Geschichte. Rolf Kussl hat sich der Mühe unterzogen, dieser Geschichte nachzugehen sowie Bilder und Texte des Griechenlandzyklus einzeln vorzustellen und zu erläutern. Im Anhang I erfahren die Leserinnen und Leser interessante Details zur Biographie und zu den Reisen des Künstlers (78-79), während der Anhang II eine Synopse zu den Bildern enthält (80); auf knappem Raum bietet die Tabelle den jeweiligen Titel des Bildes, daneben die genaue Lokalisierung, nennt die Bildvorlage und verweist auf die Seitenzahl(en) der Publikationen und führt letztendlich die Quellen für die Übersetzungen an. Wer sich noch intensiver mit dem Opus beschäftigen möchte, kann auf die verwendete und weiterführende Literatur zurückgreifen (81-83). An das Abbildungsverzeichnis (84-86) schließt sich das nützliche Personen-, Orts- und Sachregister an (87-91, von Abendland bis Zypern).

Den Auftakt des Buches bietet ein kurzer Abschnitt mit dem Titel: „Der Münchner Hofgarten – Entspannung, Geschichte und vieles mehr“ (7). Wer eine Stadt wie München besucht, erlebt – wie in anderen Großstädten auch – die Hektik des Alltags, die zahlreichen Touristen, den Straßenverkehr. Aber: die Stadt bietet in unmittelbarer Nähe des Altstadtrings Orte der Erholung, und dazu zählt mit Sicherheit der Hofgarten, der direkt an den Odeonsplatz und an die Residenz angrenzt. R. Kussl erinnert daran, dass hier aber auch Geschichte erlebt werden kann, denn die Baugeschichte des Hofgartens, „seine Denkmäler und die in seinen Arkaden beheimateten Gemälde sind engstens mit der Historie Münchens, Bayerns und seiner Herrscher aus dem Hause Wittelsbach verbunden“ (7). Während viele Einzelheiten von Attraktionen in München bereits in Aufsätzen und Büchern, auch in Reiseführern, veröffentlicht wurden, bedarf es im Falle der Bilder des Malers Richard Seewald einer Publikation wie die hier von R. Kussl präsentierte, um den Werken des Künstlers gerecht zu werden und vor allem sie in Erinnerung zu rufen. Der Autor möchte eine Lücke schließen und die „Bilder und Texte nicht nur erstmals identifizieren und analysieren, sondern auch deren Vorlagen und Quellen“ erschließen (7). Damit dieses Ziel erreicht werden kann, hält es R. Kussl für unerlässlich, über die Geschichte des Hofgartens zu informieren („Der Hofgarten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts“, 8-10), kurz auf die Kulturpolitik Ludwigs I. einzugehen („Ludwigs I. Bilderzyklen im Hofgarten – Wittelsbach, Italien, Griechenland“, 11) und die Situation Griechenlands im 19. Jahrhundert zu skizzieren („Hellas im Hofgarten zur Zeit König Ludwigs I.“, 12-15). Für diejenigen Leserinnen und Leser, die kaum Kenntnisse vom Künstler und von den Bildern und Texten haben, ist das sich daran anschließende Kapitel von besonderer Bedeutung: „Hellas im heutigen Hofgarten – Richard Seewalds Griechenlandzyklus“, 16-22).

Richard Seewald, 1889 in Arnswalde/Westpommern geboren, begann früh als Künstler tätig zu werden; seine Karikaturen und Gemälde wurden in verschiedenen Salons ausgestellt. Auch auf seinen zahlreichen Reisen entstanden viele Bilder; er wurde 1924 zum Professor an den Kölner Werkschulen berufen, wo er bis 1931 wirkte. 1934 unternahm er eine Reise zu den „Grenzen des Abendlandes“ (78). Dazu publizierte er 1936 folgendes Buch: Zu den Grenzen des Abendlandes. Eine Reise nach Stambul und Palästina, Cypern und Rhodos, Griechenland und dem Archipelagus (mit 160 Zeichnungen, München 1936). Da seine Kunst von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft wurde, zog er nach Ronco (Schweiz), erst 1954 nahm er eine Professur an der Münchner Akademie der Bildenden Künste an, lebte im Winter in dieser Stadt, ansonsten in Paris oder in Ligurien (78). 1961 wurde ihm die Ausmalung der Arkaden im Münchner Hofgarten übertragen; „er war für diese Aufgabe prädestiniert, denn kein anderer Künstler seiner Zeit hatte Griechenland so intensiv bereist, in hunderten Bildern gemalt sowie in zahlreichen Reisebeschreibungen und Tagebuchaufzeichnungen geschildert“ (16). Kurz vor seinem Tod 1976 schuf er Wandmalereien im Pfarrsaal der Herz-Jesu-Kirchen in München (79).

Bei den Kunstwerken handelt es sich um 15 „Fresko-Grisaillen, also in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführte Malereien“ (18). Sie bilden einen Kontrapunkt zur Rückwand der Arkaden, die „in einem starken pompejanischen Rot gestrichen“ sind (78). Dass sie relativ hoch angesetzt wurden erklärt der Künstler unter anderem damit, dass die Malereien nicht in die Reichweite von Kinderhänden positioniert werden sollten und somit besser vor Beschädigungen geschützt seien (78). Als Vorlage dienten meist die bereits erwähnten Zeichnungen und Skizzen, die während der Reisen entstanden, die Richard Seewald unternommen hatte. Mindestens acht Bilder orientieren sich an den auf seiner ersten Griechenlandreise 1934 angefertigten Skizzen. Da der Künstler die Illustrationen in einigen Fällen mit detaillierten Bildtiteln versehen und seine Reise genau geschildert hat, ist es mitunter möglich, die Motive zu lokalisieren und „Rückschlüsse auf die jeweiligen Standorte, von denen er die Bilder zeichnete“, zu ziehen (19). Da ich im Rahmen dieser Besprechung natürlich nicht auf alle Bilder eingehen kann, die R. Kussl vorstellt und erläutert, sollen zumindest die Titel genannt sein: Felsige Küste, Griechisches Schiff, Pinie und Cypresse, Athen, Olympia, Delphi, Ithaka, Korfu, Zypern, Akrokorinth, Naxos, Korinth, Sunion, Aigina, Poros (5).

Richard Seewald hat nicht nur die Wandmalereien geschaffen, sondern auch altgriechische Texte (allerdings in deutscher Übersetzung) und solche von deutschen Klassikern (Hölderlin und Goethe) hinzugefügt; letztere kannte er sehr gut, teilweise sogar auswendig, wie seine Bücher und Aufsätze belegen (21). Texte folgender griechischer Autoren hat der Künstler ausgewählt: Homer, Sappho, Pindar, Euripides und Nonnos (21). Auf welche Übersetzungen er zurückgegriffen hat erfahren die Leserinnen und Leser im Abschnitt: Die Texte (21-22).

Wie R. Kussl die Vorstellung eines Bildes strukturiert hat, möchte ich am Beispiel von Abbildung 4: Athen exemplarisch darlegen. Auf Seite 26 ist das Bild im oberen Teil abgedruckt, der passende Texte von Pindar dazu darunter – wie im Original (Abb. 23). Auf der nächsten Seite (S. 27) gibt es zwei Abbildungen, oben eine größere Variante der Abbildung von S. 26 (Abb. 24), darunter die Skizze (Athen vom Fusse des Hymettos), die Richard Seewald 1936 angefertigt hat (Abb. 25). R. Kussl bietet einige aufschlussreiche Details, um das Bild besser einordnen zu können. Dazu zitiert er einige Beobachtungen (28), die der Künstler in seinem Buch (1936) formuliert hat; bei einem Ausflug zum Hymettos beschreibt Richard Seewald, was er beim Blick zurück auf die Stadt Athen erkennen konnte: den Lykabettos (die höchste Erhebung in Athen), die niedriger gelegene Akropolis mit dem Tempel und weitere örtliche Gegebenheiten, jeweils unter Rückgriff auf die Farbeindrücke veranschaulicht (R. Seewald, 1936, 90f.). Richard Seewald hat für das Bild ein vielzitiertes Fragment aus Pindars Dithyramben ausgewählt (Pindar, Dithyrambos fr. 76 Schröder [64 Snell], 28). In den folgenden Abschnitten (28/29) liefert R. Kussl einige instruktive Erläuterungen zum Werk des Dichters Pindar und zu dessen Dithyramben; außerdem erklärt er, warum der Text ausgezeichnet zum Bild passt und wie die historische Situation war. Es ging um die Auseinandersetzung der Griechen und der Perser, die die Athener für sich entschieden und Athen daher als „Bollwerk von Griechenland“ bezeichnet wurde (29). Da das Wirken des Strategen Perikles ebenfalls vorgestellt wird, war es naheliegend, die berühmte Nischenfigur des Perikles, die an der Außenfassade der Münchner Glyptothek zu sehen ist (Abb. 26), abzubilden (29).

In ähnlicher Weise verfährt R. Kussl bei der Präsentation der anderen Bilder. Im Falle von Korfu (44-48) hat er – wie bei den meisten anderen Motiven – ein aktuelles Farbfoto hinzugefügt (48). Dargestellt ist die Bucht von Paleokastritsa, an der Westküste Korfus gelegen. Viele halten die Insel für die Phäakeninsel Scheria, wo Odysseus angeblich nach einem Schiffbruch gestrandet ist. Die zwei von Richard Seewald ausgewählten Textstellen entstammen allerdings nicht der Odyssee, sondern einem Fragment von Goethes Nausikaa-Tragödie, die dieser aber nie vollendet hat. Nach Aussagen von R. Kussl hat der Künstler die Landschaft in einer Taverne am Strand sitzend skizziert (46). Heutzutage wird der Ort meist von Touristen überflutet, ein Faktum, das für die Zeit, da Richard Seewald die Bucht besuchte, mit Sicherheit nicht zutraf. Daher sah er sich auch nicht gezwungen, auf die der Bucht gegenüberliegende Anhöhe zu fahren und den Ort Lakones aufzusuchen, von wo man einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung und vor allem auf die Bucht von Paleokastritsa (Anmerkung des Rezensenten).

Unter dem Gemälde zu Zypern (49-51) hat der Künstler einen Text ausgesucht, der dem Hymnos 6, An Aphrodite (V 1-3a) entnommen ist. Dieser Text passt sehr gut zum Bild, denn Aphrodite, Göttin der Liebe und der Schönheit, wird häufig mit Zypern in Verbindung gebracht. Die Zeichnung ist offenbar in einer Ebene von Larnaka entstanden, enthalten im Reisebericht von 1936 (R. Seewald, 61).

Insgesamt kann festgehalten werden, dass Rolf Kussl mit seiner Publikation eine Lücke füllt. Wer sich mit dem Griechenlandzyklus des Malers Richard Seewald auseinandersetzen möchte, kann mit großem Gewinn auf das besprochene Buch zurückgreifen. Der Autor bedient sich eines flüssigen Stils, liefert wichtige Informationen zum Verständnis der Gemälde in den Hofgartenarkaden und der dazu gehörigen Texte. Die Leserinnen und Leser werden nach der Lektüre des Opus gewiss das Bedürfnis verspüren, sich die Kunstwerke vor Ort genauer anzuschauen.

Rezensent: Dietmar Schmitz

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