Newsletter

Liebe, verehrte DAV-Mitglieder,
sehr geehrte Freunde und Interessierte,           

willkommen zu den Spätsommernachrichten 2019 beim Deutschen Altphilologenverband!

Zunächst ein Erwähnung in eigener Sache: Ein Trio um den Soziologen Prof. Dr. Jürgen Gerhards (FU) ist mit einer polemisch eingefärbten medialen Aktion gegen den Unterricht in den Klassischen Sprachen und hier vornehmlich gegen Latein auf wissenschaftlich wenig seriöser Grundlage sowohl, was die eigene vorgestellte Studie als auch, was die ebenfalls herangezogene Studie von Haag & Stern von 2003 betrifft, welche sich bereits bald nach ihrem Erscheinen unter anderem als methodisch sehr problematisch herausgestellt hat, an de Öffentlichkeit getreten. Prof. Dr. Stefan Kipf et al. haben die Schwächen der soziologischen Studie aufgedeckt, welche, dies sei hier angemerkt, mit DFG-Mitteln gefördert wurde. Genaueres lesen Sie gleich zum Beginn des inhaltlichen Teils unter „Sondernachricht“.

Eine für manche von uns neue Entdeckung ist die Webpräsenz Audiatur-online aus Zürich, die – mit Schwerpunkt auf jüdisch-christlicher Fokussierung – aus dem israelisch-palästinensischen Raum auch Themen zur Antike aufgreift. Aus dieser Quelle gibt es in diesem Newsletter einen Bericht zu einer archäologischen Stätte nahe Bethlehem.

Zum nämlichen Themenfeld ist an dieser Stelle auch die ARGE Archäologie aus Österreich zu erwähnen, auf deren Newsletter wir verweisen. Ebenfalls aus Österreich: Die Tiroler Tageszeitung brachte ein Interview mit unserem Humanismuspreisträger von 2014 Michael Köhlmeier.

Es gibt Fragen zur Vulgata aus der Perspektive des Lateinlernens wie aus der der Authentizität. Eine „Vulgata“ im Sinne einer Volksausgabe gibt es von Bodo Wartke nach seiner erfolgreichen „Ödition“ nun auch zu Antigone (siehe Bucherscheinungen). Ebenso bekommt die von Rick Riordan fürs breitere Publikum geschriebene und auf der antiken Mythologie fußende Jugendbuchserie mit der literarischen Figur Percy Jackson eine neue Folge. Überhaupt beschäftigt viele die Antikenrezeption mit den Augen unserer Zeit, manche auch, was daraus entsteht: Letzteres dokumentiert zum Beispiel das neue Buch von Prof. Dr. Thomas Wilke über den Filmhelden Spartacus im Spannungsfeld zwischen historischer Verbürgtheit, wahrscheinlichen Denkmustern in der späten römischen Republik und gängigen Erwartungshorizonten unserer heutigen Gesellschaft hinsichtlich der Adaption des Themenfeldes.

Falls Sie selbst eine Nachricht oder eine Ankündigung weitergeben möchten, können Sie sich an folgende E-Mail-Adresse wenden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Uns bleibt wie immer, Ihnen für Ihr Interesse zu danken und eine anregende Lektüre zu wünschen.

Für den DAV-Vorstand und die Beitragenden des Newsletters
Hartmut Loos, Prof. Dr. Ulrich Schmitzer sowie Dr. Anne Friedrich

Soziologen der FU Berlin greifen auf wissenschaftlich brüchiger Basis die Klassischen Sprachen an, vermischen Reflexionssprachen mit Kommunikationssprachen und begeben sich  neben einem gewissen ideologischen Anstrich zusätzlich in die Nützlichkeitsfalle. Der Tagesspiegel lässt sie sogar selbst einen Text verfassen, der hier stellvertretend für das breite und teilweise unkritische mediale Aufgreifen stehen soll (anders im Herangehen das DLF-Interview unter der Rubrik "Rundfunk"). Die Analyse durch Kipf et al. folgt direkt im Anschluss.

Aus dem "Tagesspiegel":

Mythen um Latein als Schulfach: Falsche Versprechen einer alten Sprache

Latein ist kein Wundermittel, um logisches Denken zu schulen. Die Hochgebildeten aber halten am Mythos fest, um Privilegien zu sichern. Ein Forschungsbericht.

Jürgen Gerhards Tim Sawert Ulrich Kohler

In einer sich zunehmend globalisierenden Welt werden Fremdsprachenkenntnisse im Allgemeinen und die Beherrschung von Englisch im Besonderen immer bedeutsamer. Nur wer fremde Sprachen beherrscht, kann sich über die Länder- und Sprachgrenzen hinweg austauschen. Für Latein gilt allerdings, dass es sich um eine nicht mehr gesprochene Sprachen handelt und man entsprechend mit dem Erwerb des Lateinischen im Unterschied zum Erlernen moderner Sprachen den Kreis seiner Kommunikationspartner nicht vergrößern kann. ...

WEITERLESEN: https://www.tagesspiegel.de/wissen/mythen-um-latein-als-schulfach-falsche-versprechen-einer-alten-sprache/24975580.html


Stefan Kipf et. al.:

Fiktionalität in der Wissenschaft – Analyse einer Studie 

Die Publikation „Des Kaisers alte Kleider: Fiktion und Wirklichkeit des Nutzens von Lateinkenntnissen“, die in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 71 (2) 2019, 309-326 erschienen ist und erstaunlicherweise ein beachtliches mediales Echo ausgelöst hat, beschäftigt sich mit den Transfereffekten, die Eltern dem Lateinunterricht in Zeiten der Globalisierung zuschreiben. 

Falsche Zahlen als Grundlage 

Der Studie liegt die Feststellung zugrunde, dass „[o]bwohl Latein eine nicht mehr gesprochene Sprache ist und ihr deswegen kein kommunikativer Nutzen zukommt, […] die Anzahl der Latein als Schulfach wählenden Schüler im Zeitverlauf angestiegen“ sei (309). Auf dieser Aussage basiert auch das übergeordnete, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Die Wahl von Latein und Altgriechisch als schulische Fremdsprachen: Eine Distinktionsstrategie der oberen sozialen Klassen?“1, das an der Freien Universität Berlin angesiedelt ist, aber im Beitrag nicht explizit genannt wird. Doch wie kommen die Forscher zu der Angabe, dass sich der Anteil Latein lernender Schüler an Gymnasien von im Jahr 1999 ca. 26% auf ca. 31% im Jahr 2017 leicht erhöht habe (311) oder der Anteil der Alt-Griechisch lernenden Schüler über diesen Zeitraum bei 0,5 % stagniere (Fußnote 1, 312)? Im Gegensatz zu dieser Darstellung beklagen die Vertreter dieser Fächer seit dem Schuljahr 2008/09 einen kontinuierlichen Rückgang der absoluten und relativen Schülerzahlen (Behrendt & Korn 2016), wobei der Anteil der Lateinschüler an den Gymnasien zuletzt (Schuljahr 2016/17) bei 26,12% lag (Beyer et al. 2017, 13). Die absoluten Zahlen auch aus dem folgenden Schuljahr (611.507 im Jahr 2017/18 zu 632.056 im Jahr 2016/17)2 bestätigen diesen anhaltenden Trend. Eine ohne Aufwand falsifizierbare Aussage legitimiert also ein breitangelegtes Forschungsvorhaben! 

EINLADUNG

Im Zentrum der Macht: Forum Romanum

15. Potsdamer Lateintag an der Universität Potsdam, Campus Griebnitzsee

01.10.2019, 9.15-14.15 Uhr

Anmeldung: ab Montag, 12. August, bis Freitag, 20. September 2019

Anmeldungen erbeten ausschließlich unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Programm:

https://www.uni-potsdam.de/fileadmin01/projects/klassphil/Veranstaltungen/Potsdamer_Lateintage/15._LT/Programm_PLT2019.pdf


Landestag des Niedersächsischen Altphilologenverbandes

Der diesjährige Landestag des NAV findet am 20. September 2019 im Clemens-August-Gymnasium Cloppenburg statt. Den Festvortrag am Vormittag hält Prof. Dr. Christine Schmitz (Münster); das Thema lautet:

  • Aeneas: Flüchtling – Held – Stammvater – Mensch.

Mögliche Lektüren von Vergils Aeneis Die Themen der Arbeitskreise am Nachmittag (14.00–17.00 Uhr in drei Runden) lauten:

  • Mündliche Abiturprüfungen (Wieland Richter)
  • Gesprächskreis »Zentralabitur Griechisch« (Stefan Gieseke)
  • Griechisch-AG (Christian Löhr)
  • Mittelalterliche Anfangslektüre (Dr. Dorit Funke)
  • Sprachbildung im Lateinunterricht – Impulse für die Praxis (Prof. Dr. Peter Kuhlmann)
  • Die römische Satire am Beispiel von Petron und Apuleius unter Berücksichtigung moderner Literaturtheorien (Ina Tebben / Dr. Friedgar Löbker)
  • Latein-Entdecker-Tag (Anna-Charlotte Vehling)
  • Digitales Arbeiten mit Navigium (Philipp Niederau)
  • Placetne cum discipulis Latine loqui? (Christian Löhr)
  • Augusteische Dichtung (Dr. Michael Lobe)
  • Konflikt und Streitgespräch. Textpassagen der Leitthemen 3 und 15 (Stefan Gieseke) [Es handelt sich vermutlich um zwei Leitthemen des Griechisch-KC.]
  • Digitales (N. N.)
  • Angebote des Museum August Kestner (Hannover) für Lateinschüler (Stefanie Abraham)
  • Livius-Lektüre für die E-Phase (Dr. Frank Wittchow)
  • Plinius’ Briefe im Lateinunterricht (Dr. Matthias Hengelbrock)
  • Latine loqui und dessen Funktion für das Textverstehen (Dr. Ulrike Bethlehem)
  • Gesprächskreis »Mythologia«: Vokabeltraining mit der Mythologia-App (Clemens Liedtke)
  • Den Römern begegnen: Konzept für eine Mini-Studienfahrt nach Trier mit Lateinlernern der Sek. I (Wieland Richter)

Die Veranstaltung beginnt vormittags um 10.15 Uhr. Das Kongressbüro ist ab 9.30 Uhr geöffnet. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Lediglich am Landestag selbst müssen Sie sich im Kongressbüro anmelden, wobei NAV-Mitglieder von der Entrichtung eines Eintrittsgeldes ausgeschlossen sind, während Nichtmitglieder 25,– Euro zahlen oder zu Mitgliedern mutieren dürfen. In jedem Fall erhalten Sie eine Teilnahmebescheinigung.

Weitere Informationen finden Sie auf https://www.navonline.de und https://www.c-a-g.de (Internetauftritt des Clemens-AugustGymnasiums, Bahnhofstraße 53, 49661 Cloppenburg).

Antigone-Adaption von Bodo Wartke: Buch verfügbar

Das Hamburger Büro des Mehrspartenkünstlers Bodo Wartke lässt Wissen, dass nicht nur der Text zum bekannten in Alltagssprache gefassten heiter-ernsten Ein-Mann-Stück Ödipus, sondern auch derjenige der aktuellen Bearbeitung des Stoffs der Antigone jetzt als Taschenbuch erhältlich ist (siehe neue Publikationen). Das Video zu Antigone befindet sich im Schnitt und wird in etwa zwei Monaten auf den Markt kommen.


Zur FIEC-Resolution, die Aufnahme von Latein und Altgriechisch ins UNESCO-Welterbe zu befördern:

http://fiecnet.blogspot.com/


Bericht vom 15. Kongress der FIEC in London

Vom 4. bis 8. Juli 2019 fand in London der 15. Kongress der FIEC statt. FIEC ist die Abkürzung für ‚Fédération internationale des associations d'études classiques‘, den Dachverband der altertumswissenschaftlichen Gesellschaften und Institutionen, 66 nationale und 15 internationale. Gegründet wurde FIEC nach dem 2. Weltkrieg, um die internationalen Kontakte in den Altertumswissenschaften wiederzubeleben und zu fördern. FIEC unterstützt z. B. jetzt eine Initiative, Altgriechisch und Latein zum immateriellen Weltkulturerbe erklären zu lassen (Mehr auf: fiecnet.org und http://fiecnet.blogspot.com/).

Die Londoner Gastgeber, vor allem das Institute for Classical Studies, hatten die Organisation in Händen und hatten dafür gesorgt, dass gleichzeitig die Jahrestagung der Classical Association stattfand. Eingebunden waren auch die Society for the Promotion of Hellenic Studies und die Society for the Promotion of Roman Studies. Das bedeutete noch mehr logistischen Aufwand, sorgte aber auch für einen lebhaften Zuspruch gerade aus Großbritannien. Ich schätze, dass etwa 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den sommerlich-sonnigen Tagen die Hörsäle im Stadtteil Bloomsbury den nahegelegenen Parks und Attraktionen vorzogen.

Die Vorträge des wissenschaftlichen Programms waren in thematischen Panels organisiert, um die sich die Beiträger im Kollektiv hatten bewerben müssen. Dass ‚all-male‘-Gruppen ausdrücklich ausgeschlossen waren, hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt und erwies sich letztlich auch als Reklame.

In bis zu 12 Parallelveranstaltungen konnte man sich in allen Bereichen der Classics informieren, von der Klassischen und Provinzialarchäologie über die antike Philosophie, die Philologien und, ein eindeutiger Trend in den letzten Jahren, in der lateinischen und griechischen Spätantike, bis zur Rezeptionsgeschichte.

Eingeleitet wurde das Programm mit einer Podiumsdiskussion ‚Classics in the 21st century‘, und unterbrochen von je zwei Plenarvorträgen am Tag. Im Podiumsgespräch wurde thematisiert, wie man postkoloniale Überheblichkeit bei der Erforschung und Vermittlung der antiken Kulturen vermeiden könne. Nicht ganz ohne Ironie war es, dass diese Diskussion nahezu ausschließlich um die anglophone Welt kreiste und natürlich in rasantem Sprechtempo auf Englisch geführt wurde. Zwei der Vorträge möchte ich kurz erwähnen: Jonas Grethlein (Heidelberg), der über ‚Metalepsis in Ancient Greek Literature and Criticism? The Limits of Narratology in Classics’ sprach und zu grundsätzlichen methodischen Fragen Stellung nahm, und Ida Östenberg (Göteborg) mit ihrem Beitrag ‚Dulce et decorum. Dying for the fatherland (or not) in ancient Rome’. Frau Östenberg deutete Horaz’ Römerode (c. 3.2) im Lichte der historischen Praxis, mit der im republikanischen Rom der Kriegsgefallenen gedacht wurde.

Im Rahmenprogramm konnte man eine Bootsfahrt auf der Themse machen (einschließlich Sonnenbrand), einer Vorführung rekonstrukierter Stummfilme mit Antikenbezug und Lifemusik beiwohnen und vor allem, was bei Tagungen mindestens so wichtig wie das Programm ist, neue Kontakte knüpfen und alte auffrischen.

Neue Präsidentin der FIEC ist jetzt, nach Franco Montanari, Gunhild Vidén (Göteborg). Eine der Vizepräsidentinnen, Marta Irigoyen, lädt zur nächsten Tagung ein, die, nach einer Satzungsänderung, nicht erst in fünf, sondern schon in drei Jahren 2022 in Mexiko City stattfinden wird.

Christiane Reitz, Rostock             E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Für Themen zum Ägypten der Antike ist SELKETS Blog inzwischen fast schon ein ständiger Begleiter des DAV-Newsletters:

Griechisch-römisches Senatsgebäude in Pelusium entdeckt

Ein riesiges Gebäude, das in griechisch-römischer Zeit wahrscheinlich als Senat genutzt wurde, ist in Pelusium, Nord Sinai entdeckt worden.

Das 2500 qm große Gebäude wurde von ägyptischen und polnischen Archäologen vom Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften gefunden. Das riesige rechteckige Gebäude aus Ziegeln und Kalkstein konnte von einem Haupttor an der Ostseite betreten werden. Im Inneren war der Senat wie ein halbrundes Amphitheater mit Rundbänken aus rotem Backstein und Marmor aufgebaut.

WEITERLESEN: https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/griechisch-roemisches-senatsgebaeude-in-pelusium-entdeckt#more-15104

Ein Tip: Die österreichische ARGE Archäologie veranstaltet regelmäßig interessante Grabungen und Studienreisen, aber auch andere Veranstaltungen.

Weiterlesen: https://www.arge-archaeologie.at/

Zum Programm: https://www.arge-archaeologie.at/programm-2019/

als aktuelles Beispiel eine Wanderreise durch Lykien:

https://www.arge-archaeologie.at/programm-2019/archäologie-wandern-lykien/


Multinationales Projekt: Ein kostenloser Online-Kurs zu den antiken Städten:

Auf der DAV-Website haben wir schon darauf hingewiesen. Hier noch einmal das pdf-Dokument mit allen Erläuterungen. Beginn des Kurses ist der 12. September.

https://www.altphilologenverband.de/images/stories/dav/Flyer_MOOC_deutsch_Final.pdf

RHEINISCHE POST (ONLINE):

Sie liest Harry Potter auf Latein: Jule Langen hat ein eher ausgefallenes Lieblingsfach: Latein. Dabei beherrscht sie die Sprache so gut, dass sie an Wettbewerben teilnimmt.

Sport, Kunst, Musik – jeder hat ein anderes Lieblingsfach. Bei einigen ist es sogar Mathe oder Physik. Doch das der Gymnasiastin Jule Langen fällt völlig aus der Top-10-Liste der Lieblingsfächer. Die 16-Jährige brennt für das Fach Latein. Und darin ist sie so gut, dass sie im September beim Finale des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen in Papenburg antreten wird.

Weiterlesen: https://rp-online.de/nrw/staedte/leichlingen/jule-langen-ist-leichlingens-lateinexpertin_aid-43229355

Siehe auch: Bundeswettbewerb Fremdsprachen (unter „Wettbewerbe“)


DIE WELT

Geschichte – Papyrus-Forschung

Die Geschichte der Christen muss umgeschrieben werden, sagt diese Forscherin

Die Kirchenväter behaupteten, dass die ersten Christen für den Glauben lebten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, sagt die Historikerin Sabine Huebner. Sie hat 65 Schriftstücke aus einer Sammlung neu ausgewertet. Ein Papyrus offenbart Erstaunliches.

Nicht alle frühen Christen waren so weltabgewandt wie häufig angenommen. Das schließt Sabine Huebner, Althistorikerin an der Universität Basel, aus jetzt neu ausgewerteten Dokumenten. Sie hat einen Papyrus aus dem frühen dritten Jahrhundert eindeutig als ältesten bekannten christlichen Privatbrief identifiziert; er stammt aus Ägypten.

Die Forscherin kommt in ihrem gerade erschienenen neuen Buch „Papyri and the Social World of the New Testament“ zum Schluss: „Die ersten Christen nahmen durchaus am politischen Leben teil, sie reisten und sie besaßen Ländereien.“

Weiterlesen: https://www.welt.de/geschichte/article196784581/Papyrus-Forschung-So-weltlich-waren-die-fruehen-Christen-wirklich.html


Interview mit unserem Humanismus-Preisträger von 2014 (Kongress Innsbruck)

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

...In der Schule mussten Sie sich im Altgriechisch-Unterricht mit Homer beschäftigen. Damals haben Sie sich mehr aufs Schwindeln vorbereitet, als zu lernen. Das passt gar nicht in das Bild des souveränen Herrn Köhlmeier.

Köhlmeier: Souverän? Ich? Nein! Ich bin noch immer der Meinung, ohne zu schwindeln kann man den Homer nicht übersetzen. Eine Sprache, die fast so viele Ausnahmen wie Regeln kennt. Und was heißt Schwindeln bei einer Schularbeit, bei der verlangt wird, eine Stelle aus dem Homer zu übersetzen? Zu wissen, wie man die Stelle im Schmierer findet. Also muss man den Homer wenigstens auf Deutsch gelesen haben. Hab’ ich. Und er hat mir gefallen! Wenn ich diesen Sound höre, den Hexameter, da schlägt mein Herz mit ...

Das ganze Interview, in dem aktuelle Vorgänge die Hauptrolle spielen:
https://www.tt.com/lebensart/freizeit/15938209/ich-verachte-diesen-menschen-michael-koehlmeier-im-interview


Frankfurter Allgemeine

zu einer Ausstellung in der Getty-Villa und zu Vulkanen am Golf von Neapel:

Von Göttern, Ausgräbern und Millionären

Herculaneum liegt jetzt am Pazifik: Die Getty Villa in Kalifornien stellt die Geschichte der Villa dei Papiri in Herculaneum aus. Zu sehen sind Stücke, die erst in dieser konzentrierten Präsentation ihren Rang erkennen lassen.

War das der Hausherr? Dieser feinfrisierte Mann mit den markanten Gesichtszügen, der uns gleich hinter der Tür zur Ausstellung über die Villa dei Papiri begegnet? Seine Bronzebüste ist zweitausend Jahre alt, und dass sie den römischen Konsul Lucius Calpurnius Piso Caesoninus Pontifex darstellt, weiß man dank der Ähnlichkeit dieses Porträtbildnisses mit einer im norditalienischen Vellaia erhaltenen lebensgroßen Marmorstatue, die mit seinem Namen bezeichnet ist. Doch ob Piso Pontifex tatsächlich in der Villa gelebt hat, weiß man nicht. Dass man von ihm in der Ausstellung als Hausherrn spricht, ist das Resultat eines Indizienbeweises.

WEITERLESEN: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/getty-villa-zeigt-geschichte-der-villa-dei-papiri-16319393.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2


Frankfurter Allgemeine

Auf schnellstem Weg ins Freie

Am Golf von Neapel brodelt es in der Erde. Geologen können nun mit Hilfe eines verfeinerten Modells voraussagen, wo das Magma aus der Erdoberfläche treten wird.

Obwohl in den vergangenen Jahren bei der Vorhersage von Vulkanausbrüchen einige Erfolge erzielt worden sind, bereiten verlässliche Prognosen über künftige Eruptionen den Vulkanforschern immer noch erhebliche Schwierigkeiten. Eine Vorhersage hat nämlich nur dann Sinn, wenn außer dem Zeitpunkt einer bevorstehenden Eruption auch der Ort, an dem Lava oder vulkanische Gase und Asche austreten, bestimmt werden kann. Die räumliche Vorhersage ist dabei ungleich schwieriger abzuschätzen als der Zeitpunkt einer künftigen Eruption.

Eine deutsch-italienische Forschergruppe hat nun ein verbessertes Modell entwickelt, das es ihr erlaubt, vorherzusagen, wohin bei einem bevorstehenden Ausbruch das Magma fließt und an welchen Stellen es an die Erdoberfläche gelangt. Ihr Verfahren basiert auf den physikalischen Vorgängen im Inneren eines Feuerbergs und auf statistischen Modellen über die räumliche Verteilung vorhandener Krater. Bisherige Prognosen über den Ort eines neuen Schlots beruhen vor allem auf statistischen Berechnungen.

Weiterlesen: https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/vulkanismus-auf-schnellstem-weg-ins-freie-16319829.html


Ein Rückblick auf eine Medea-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen:

DONAUKURIER

Antiker Mythos als Thriller von heute

Herausragend: Simon Stones moderne Version von Cherubinis Ehetragödie "Médée"

Salzburg (DK) Welch eine großartige Aufführung. Welch eine rasante musikalische Wiedergabe. Vor allem jedoch: Welch eine hinreißende Interpretation der Titelpartie durch die russische Sopranistin Elena Stikhina, die - wie Anna Netrebko 2015 und Asmik Grigorian im letzten Jahr als Salome - von Salzburg aus nun zu ihrer Weltkarriere durchstarten und mit weiteren Angeboten der renommiertesten Opernhäuser überhäuft wird.

Eine atemberaubende Stimme und eine Bühnenpräsenz, die elektrisiert.

Wer Opern mit Sagen aus der griechisch-antiken Mythologie altbacken findet und darüber die Nase rümpft, dem zeigt der Regisseur Simon Stone bei dieser Neuinszenierung, wie spannend Luigi Cherubinis Oper "Médée" aus dem Jahre 1797 sein kann, wenn sie so flippig und hochdramatisch auf unsere Zeit übertragen wird. Zur turbulenten Ouvertüre ein Video einer ach so heilen Familie: ein cooles junges Paar mit zwei netten kleinen Kindern. Verliebt und glücklich die Eltern, ein Herz und eine Seele die Buben. Médée und Jason mit ihren zwei Söhnen. Eine Familie wie aus dem Homestory-Journal. Nicht kitschig, aber durchaus anrührend.

Dass Médée, die Tochter des kolchischen Königs, mit ihren Zauberkünsten dem Abenteurer Jason geholfen hat, das sagenumwobene und mit der Aura von unumschränkter Macht versehene Goldene Vlies nach Griechenland zu bringen, mag dabei freilich nur Altphilologen und Absolventen Humanistischer Gymnasien interessieren, obwohl es hier im Gesang natürlich thematisiert wird. Dann Vorhang auf:

WEITERLESEN: https://www.donaukurier.de/nachrichten/kultur/Antiker-Mythos-als-Thriller-von-heute;art598,4271727


AUDIATUR ONLINE

Gelände um „Abdruck“ der Maria abgebrannt

Genau auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Bethlehem, beim Griechisch Orthodoxen Mar-Elias-Kloster, gibt es eine kaum bekannte Heilige Stätte. Auf Griechisch heisst sie „Kathisma“. Inmitten der Überreste einer oktogonalen Kirche aus dem 3. Jahrhundert gibt dort einen Felsen, auf dem die hochschwangere Maria auf dem Weg nach Bethlehem „geruht“ haben soll. Wie in Jerusalem üblich, ist dabei der Felsen zurückgewichen, sodass der Abdruck der sitzenden Maria für alle Ewigkeit erhalten geblieben ist. Genauso haben Jesus und Mohammad bei ihrer Himmelfahrt ihre „Spuren“ hinterlassen.

Für die Kathisma gibt es eine schriftliche Quelle im Protoevangelium des Jakobus aus dem 2. Jahrhundert n.Chr.: „Und als sie den halben Weg gegangen waren, sagte Maria zu Josef: Lass mich von der Eselin absteigen, denn das Kind drückt mich und will herauskommen. Da half er ihr von der Eselin herunter.“ Aufgrund dieser Episode wird das Gelände Kathisma (griechisch „Niedersitzen“) genannt. [...]

(Anmerkung der Newsletter-Redaktion: Es geht unter anderem auch um etwas vernachlässigte antike Mosaiken.)

Eine israelische Archäologin legt 2017 die Mosaiken frei. Foto U. Sahm

Den ganzen Bericht lesen: https://www.audiatur-online.ch/2019/08/19/gelaende-um-abdruck-der-maria-abgebrannt


Interview im DEUTSCHLANDFUNK

[Auftakt zu einer Welle durch die Medien, wie sie zu Beginn des Newsletters erwähnt wird. Zum Thema nimmt der DAV auch in einer Pressemeldung Stellung, da Prof. Dr. Gerhards als Publizierender hier in Sachen Wissenschaftlichkeit dazu herausfordert.]

Diskussion um „tote Sprache“: „Es macht wenig Sinn, heute noch Latein zu lernen“

Heute noch Latein zu lernen, sei Zeitverschwendung, sagte Jürgen Gerhards, Mitautor einer Studie über den Nutzen von Lateinunterricht, im Dlf. Man könne seine begrenzte Lernzeit gewinnbringender einsetzen – mit dem Erlernen lebender Sprachen, die durch die Globalisierung immer wichtiger würden.

Jürgen Gerhards im Gespräch mit Thekla Jahn

Das Interview lesen: https://www.deutschlandfunk.de/diskussion-um-tote-sprache-es-macht-wenig-sinn-heute-noch.680.de.html?dram:article_id=457388

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